Konzertschau

Vainstream 2008 (Festival)
27. Juni 2008

Am 28. Juni 2008 rief Münster zum dritten Mal die Jünger der ruppigen Klänge und geschätzte 5.000 sollten dem Ruf folgen. Ein hochkarätiges Line-Up von nicht weniger als 18 Bands sollte dafür sorgen, dass für Jeden etwas dabei war und nicht zuletzt das insgesamt ordentliche Wetter und die vorbildliche Versorgung sorgte schließlich für viele zufriedene Gesichter.

Die Veranstalter hatten ihre Hausaufgaben gemacht und boten insbesondere dank der Twin Stages für einen exzellenten Ablauf ohne störende Umbaupausen. Nachdem Callejon, Shai Hulud, The Grit und Bring Me The Horizon einer (noch) überschaubaren Anzahl von Anhängern die Müdigkeit aus den Knochen prügelte, verschlechterte sich das Wetter zusehends aber der Platz füllte sich spürbar. Spätestens mit Negative Approach, den inzwischen leicht angegrauten Pionieren des Hardcore kam so langsam Bewegung in den Moshpit. Leider wurde ein guter Sound durch den teilweise heftigen Wind zunichte gemacht, so dass die hinteren Reihen lediglich in den Genuss von Klangbrei kommen sollten. Ein Phänomen, das sich durch das komplette Festival zog, so dass Mensch gezwungen war, sich in die vorderen Reihen zu begeben – geschickt eingefädelt.

Pünktlich zu den Mad Caddies öffnete der Himmel dann richtig seine Schleusen. Kein Problem für die Ska-Punker aus Kalifornien. Ein solides Set mit hohem Spaßfaktor und einem Song-Querschnitt aus allen fünf Studio-Alben ließen die unfreundliche Witterung schnell vergessen. Teilweise vom Winde verweht war auch die FMX-Motoshow, so dass der durstige Konzertbesucher genug Zeit hatte an den zahlreichen Versorgungsstellen nachzutanken. Danach stand Bassfrau Ines ihren Jungs verletzungsbedingt zwar nicht zur Seite, aber auch am Mikro machte sie eine gute Figur, so dass der äußerst gutgelaunte Auftritt der Broilers aus Düsseldorf zu einem weiteren Höhepunkt ihres derzeitigen Höhenfluges wurde. Anschließend dann ein Auftritt mit Kultcharakter: Madball aus New York mit Freddy Cricien -dem Halbbruder der Agnostic Front-Legende Roger Miret- gaben alles und die Fans erwiesen sich als dankbares und stimmgewaltiges Publikum. Ein Highlight des Gigs war sicherlich die Interpretation des Agnostic Front-Klassikers “Gotta Go“. Kaum waren die letzten Madball-Klänge verstummt, schon hieß es Augen und Ohren nach links - die Polit-Punks von Anti-Flag baten um Aufmerksamkeit. Eine gelungene Auswahl von Songs vom aktuellen Album “The Bright Lights Of America“ und weniger bekannten Titeln machten den soliden Auftritt zu einem kurzweiligen Ereignis.

Ein erstes Highlight des Nachmittags folgte dann mit einer zügellosen Darbietung der alten Schule in Person von Comeback Kid. Die Jungs um Scott Wade machten keine Gefangenen und sorgten für ordentlich Bewegung in den vorderen Reihen. Bei “Wake The Dead“ sollten dann alle Dämme brechen – daran hätte sogar Gotthilf Fischer seine helle Freude gehabt.

Die irisch-amerikanischen Punk-Rock-Folker von Flogging Molly traten wie gewohnt inklusive traditionellem Besteck in Form von Folk-Gitarre, Mandoline, Banjo, Akkordeon, Fiddle und Tin Whistle an und ließen keine Zweifel offen, dass ihr Eire-Punk auch außerhalb von verrauchten Clubs bestens funktioniert.

Zur besten Sendezeit enterten schließlich Coheed And Cambria mit neuem Schlagzeuger Chris Pennie (The Dillinger Escape Plan) die Bühne. Sänger Claudio Sanchez sah man zwar vor lauter Haaren nicht, aber das mit sämtlichen Hits gespickte Set (A Favour House Atlantic, In Keeping Secrets..., Welcome Home etc.) war mehr als anständig. Hier waren 45 Minuten Spielzeit definitiv zu wenig. Der heimliche Headliner des Abends -so waren sich hinterher viele einig- waren wohl die Herren der Tiger Army. 1a Bühnenperformance (artistisch am Stand Up Bass – Mr. Geoff Kresge), mitreißende Psychobilly Songs und ein begeistertes Publikum. Die Band hat an diesem Abend sicher viele neue Fans hinzugewonnen.

Aber auch der offizielle Headliner stand dem in nichts nach und so machten Sick Of It All wieder einmal ihre Vormachtsstellung in Sachen NY Hardcore mit Legendenstatus deutlich! Ein bestens aufgelegter Lou Koller gab dem Publikum direkt zu Beginn des Sets zu verstehen, dass dies die vorerst letzte Möglichkeit für längere Zeit sei, die Band live (in Deutschland) zu sehen. Das „Warum“ ließ er leider offen. Sei’s drum, die nachfolgenden 45 Minuten waren eine hochgradig energetische Lehrstunde in Sachen Old School Hardcore, die keine Wünsche (und Hits) offen ließ.

Fazit: Die diesjährige Ausgabe des Vainstream-Rockfestivals war nicht nur sehr ausgewogen besetzt. Die professionelle Organisation und die äußerst entspannte Stimmung schreien geradezu nach einer Fortsetzung in 2009. (Martin Mecklenbrauck + Marc Loell, eldoradio*)

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