Konzertschau

Stars / Gentlemen Reg - Köln, Gebäude 9
27. September 2007

Köln-Deutz, 27. September 2007, 21 Uhr. Beständiger Regen. Rasende Autos. Leergespülte Gehwege. Die Ratten scharren in der Kanalisation. Scherben einer Bierflasche liegen auf dem Asphalt. Ein idealer Abend für einen Weltuntergang. Ein idealer Abend für ein Konzert der Stars.

Das Gebäude 9 ist ausverkauft. Das ist der Beweis: Köln hat Musikgeschmack. Der Kanadier Gentlemen Reg steht mit seiner rosa Stimme ein wenig verlassen da. Die große Gibson in der Hand, dahinter der güldene Singer-Songwriter aus Kanada, der keine Band dabei hat und nur vom Tonband begleitet wird. Seine tiefen Augenhöhlen lassen ihn ein wenig grimmig aussehen, dabei ist er doch ein ganz lieber. Das Publikum lässt ihn durch unaufhaltsame Gesprächigkeit spüren, dass es nicht seinetwegen, sondern wegen den Stars gekommen ist. Zwar wird nach jedem Song artig geklatscht und Gentlemen Reg versucht das Beste draus zu machen, doch Lyrics und Sound bleiben spätestens in der dritten Reihe hängen. Wer Gentlemen Reg ernsthaft hören will, kauft sich besser seine Cd, die in Deutschland allerdings nur schwer erhältlich ist. „Hey, do you guys like my pants?“ An der karierten Hose hat es mit Sicherheit nicht gelegen. Ebenso wenig wie an seinem Können.

Eine kurze Pause, die Grablichter auf der Bühne werden angezündet. Dann sprengt ein heftiger Bass einem die Gehörgänge und andere Körperöffnungen frei. Zeit für die Stars. Unerwartet laut und heftig starten sie mit „Take Me To The Riot“ von der neuen Platte „In Our Bedroom After The War“. Keine Spur von Melancholie, Indie Rock pur! Vom unbeholfen tanzenden Bassist bis zum extrovertierten Drummer in „Fear and Loathing in Las Vegas“-Outfit haben alle auf der Bühne Spaß. Bei Sänger Torquil Campbell sind zwar noch alle sechs Knöpfe der Montur zugeknöpft, doch auch das wird sich im Laufe des Konzerts ändern. Die langsamen, narrativen Balladen wie etwa „Personal“ werden abgefangen von diversen „Smashy Smash Songs“ zum Mitklatschen wie beispielsweise „What I’m Trying to Say“. Zum Abhotten kommt es nicht. Die Stärken der Kanadier liegen in der zerbersteten Melancholie, aber noch mehr in der runden, sachten Stimme von Amy Millan, die wirklich jeden Tonperfekt trifft. Besonders bei langsameren Solo-Parts entfaltet sie sich und dringt tief in das Herz des Publikums. Auch wenn man sich ein wenig an Katie Melua erinnert fühlt. Campbell harmoniert exzellent mit Millan, seine Stimme wird aber wohl nie an die ihre herankommen. Vor allem seine Falsettstimme wirkt etwas… gewöhnungsbedürftig. Er übernimmt dafür sämtliche Synthesizer-, Trompeten-, und Melodicaeinsätze sowie die Interaktion mit dem Publikum. Mit einem Lachen im Gesicht beschwert er sich über den Zigarettenrauch in der Halle. Sein Tipp: Das nächste Mal lieber Gras rauchen, da wird man wenigstens stoned! Noch einige Gitarrensoli werden angestimmt, und Elektro-Pop eingestreut, bevor es zum Schluss wieder leise wird. „Calendar Girl“, who is lost to the world. Stay alive! Draußen regnet es noch immer.

(Axel Kopp, eldoradio*)

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