Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 37/2003

Albumcover

Zoot Woman
Zoot Woman

In meinem Leben ist alles okay. Ich habe keine Probleme, habe Freunde, die mich unterstützen, eigentlich könnte ich wirklich zufrieden, wenn nicht sogar glücklich sein! Aber für mich ist es das Schlimmste, wenn alles nur okay ist. Oder um mit Zoot Woman zu sprechen: I´m half full of happiness. Eigentlich ist der Zweitgeborene namens „Zoot Woman“ der drei Herren aus England („Living In A Magazine“ war seinerzeit auch Silberling der Woche, siehe Archiv) keineswegs melacholisch. Jedenfalls nicht auf der musikalischen Ebene. Hier finden sich die für Zoot Woman typischen 80er Jahre Einschläge, die aber nicht klingen als habe man einfach nur recycelt. Man kennt diesen Sound, aber man schafft es trotzdem ihn so einzusetzen, dass er auf einmal frisch und neu wirkt, wie ein Küken, das sich gerade aus seinem Ei gekämpft hat (und aus Eiern schlüpfen schließlich auch immer noch jedes Mal Küken und nicht etwa mal Seehundbabys, mal Hasenkinder). Trotz der vermeintlich glatten und neutralen musikalischen Seite, geht „Zoot Woman“ textlich unter die Haut. So beschreibt doch die erste Single-Auskopplung „Grey Day“ das Gefühl von Unerfülltheit, oder eben schon zitiertes „Half Full of Happiness“ das Zweifeln an jeglichen Zukunftsaussichten. Komischerweise, oder beabsichtigt, sind diese Songs Anfang und Ende der Platte. Sie bilden den Rahmen um einen Diskurs über Liebe, zwischenmenschliche Beziehungen und der Suche nach dem ultimativen Gefühl des Glücklichseins. Nichtsdestotrotz haben es sich Zoot Woman nicht nehmen lassen diese Lyrics wieder wie gewohnt in poppig-elektronisch-chilli-verspielten Melodien zu verpacken. Texte und Musik scheinen einerseits auseinander zu driften, bilden aber auf der anderen Seite eine untrennbare Einheit. So ist doch das einzige wirklich ruhige Stück auf der Platte „Snow White“ und ausgerechnet das handelt laut Stuart Price von der Kindheit. Aufgenommen wurden die 10 Songs in Eigenregie im Heimstudio in Reading und London. Das scheint auch der Grund für die Dichte des Albums zu sein. Klingt es doch trotz elektronischen Spielereien und 80iger-typischen Synthie-Elementen organischer und nicht so glatt produziert, wie der Erstling „Living In A Magazine“. Parallelen und Anleihen finden sich trotzdem. So ist das wohl poppigste Stück der gesamten Platte „Hope In a Mirror“ genauso wortkar wie „It´s Automatic“.
Für mich ist „Zoot Woman“ eine absolute Herbstplatte mit durchaus tanzbaren Stücken, hinter denen aber viel mehr steckt als ausgetüftelte Beats und Breaks. Zoot Woman haben hiermit in grandioser Weise bewiesen, dass sie ein Album ohne Schwachpunkte vorlegen können, und weit mehr sind als nur drei Briten in weißen Anzügen.

(Sandra Zapke, c.t. - das Radio 96.9 Bochum)

KÜNSTLER: www.zootwoman.com

LABEL: www.labels-music.de

Anspieltipps

  • Grey Day (#1)
  • Hope in The Mirror (#4)
  • Gem (#3)
  • Useless Anyway (#8)
  • Half Full Of Happiness (#10)

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