Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 05/2014

Cover: Young Fathers - Dead

Young Fathers
Dead

Die Young Fathers in irgendeine musikalische Schublade zu stecken, sehen sie persönlich nicht allzu gerne. "We never cared about being in a box or in any kind of scene. There was a general feeling of: let’s just do what feels right!", erklärt Graham "G" Hastings. Sie selbst denken nicht in Genres oder in irgendwelchen Musikstilen, sondern lassen den Dingen seit ihrer Bandgründung vor knapp sechs Jahren ihren Lauf. Genau die daraus entstehende Freiheit und Kreativität zeichnet ihr spätes Debütalbum "Dead" aus.

Doch düster ist "Dead" geworden: Dafür sorgt einerseits die Kombination aus elektronischen Beats und einem Bass, der oft verzerrt ist und sich gelegentlich leicht verstörend und schräg seinen Weg durch die Lieder schlägt. Dieser Eindruck revidiert sich auf "Dead" aber meist sobald der Chorus einsetzt. Vielmehr schleicht sich eine stark motivierende Stimmung ein, die im ersten Moment irritiert ("LOW"), den Hörer dann aber in ihren Bann zieht. Alle Projekte, die man so vor sich hergeschoben hat, möchte man am liebsten sofort anpacken.
 
Umso irritierender ist es, wenn man wie in "No Way" nach mehrerem Hören die Textpassagen zu verstehen beginnt: "AK 47 take my brethren straight to heaven." Düstere Aussagen wie diese konterkarieren genau die durch die Songs erzeugte Stimmung. Laut "G" Hastings ist der Band auch selbst erst nach dem Hören ihrer Aufnahmen aufgefallen, dass die Platte gerade textlich einen Hauch schwerer Stimmung in sich trägt. Weil Songs für sie aber Momentaufnahmen sind, stört es nicht weiter. Vielmehr ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild einer Band, die instinktiv und nach Gefühl die richtigen Mittel wählt, um sich auszudrücken.
 
Instrumental vielseitig wird auf "Dead" auch mal zum Akkordeon gegriffen, um in dezent gehaltenen Tonwechseln eine Begleitung zu schaffen, die sich einprägt. Die soulig rauchigen Stimmen von Alloysious Massaquoi und Kayus Bankole bieten einerseits Melodien, die durch ihr Arrangement äußerst einprägsam sind, andererseits Rap-Lines, in denen ein aggressiver Unterton mitschwingt.
"Dead" bietet Abwechslung – gefühlvoller Gesang, abgedrehte Elektro-Beats und eine lyrische Auseinandersetzung mit bewaffneter Gewalt. Textlich kein Konzept-Album wie "G" Hastings versichert , dafür aber ein alternatives Hip-Hop-Werk, das sich sehen lassen kann. Nach ihren beiden Demos "Tape One" und "Tape Two", die eindrucksvoll ihre musikalische Handschrift der Young Fathers offengelegt hat, wirkt "Dead" wie eine logische Konsequenz, bleibt aber trotzdem innovativ - und damit weit weg von irgendeinem Schubladen-Denken. (Kai Brands für eldoradio*)

 
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Anspieltipps

Low, #2
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No Way, #1
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Am I Not Your Boy, #10
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Hangman, #9
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Get Up, #5
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