Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 14/2006

Albumcover

Yeah Yeah Yeahs
Show Your Bones

„Yeah Yeah Yeah“ – drei Worte, die von den Beatles in den 60ern etabliert wurden, „She Loves You, Yeah Yeah Yeah“. Und ein Aufschrei aller Sprachwissenschaftler zu dieser Zeit: Die Befürchtung lag nahe, durch Artikulation von Ausdrücken wie „Yeah Yeah Yeah“ und „Whoa Whoa Whoa„ würden verbale Fähigkeiten heranwachsender Jugendlicher beeinträchtigt.

Aber die Jugend ließ ich nicht beirren und setzte sich durch. So fatale Auswirkungen können diese nahezu „dadaistischen“ Wortäußerungen wohl nicht gehabt haben, jedenfalls wissen wir uns heute noch zu verständigen. Mehr als diese Verbindung im Namen haben die Yeah Yeah Yeahs aber nicht zu den Beatles. Sie machen keinesfalls Beatles-Rock, sondern pflegen Punkrock mit ihrem gewissen „arty“ Extra. Laut, ungehobelt und intuitiv.

September 2000, eine Kellerbar in New York. Karen Orzolek, kurz Karen O, und Gitarrist Nick Zinner lernen sich kennen. Warum nicht was zusammen machen? Das Produkt gab es nicht erst nach 9 Monaten. Nach einer kurzen Verirrung in folkloristische Gefilde verschrieben sie sich nach Zugewinn des Drummers Brian Chase dem Rock. Und schon wenige Monate nach der Gründung standen sie schon auf der Bühne - ihr erstes Konzert mit den „White Stripes“. Sie spielen im ehemaligen Club der Ramones, treffen auf The Strokes. Sie haben Erfolg. Ihre erste 13-minütige EP wird Anfang 2001 auf den Markt geworfen, sie heißt einfach „Yeah Yeah Yeahs“. Dieser Positivismus schlug sich bei der Presse an. Ein Jahr später erschien die zweite EP „Machine“ und 2003 folgte das erste Album: „Fever To Fell“. In Großbritannien damals schon längst bekannt, machen sie sich endlich auch nach Deutschland auf.
Dann wird es aber erstmalig etwas ruhiger um die Band. Karen produziert einen Werbespot für Adidas, Nick veröffentlicht einen Fotoband und Brian gibt sich dem Jazz und dem Zaubern leckerer Gaumenfreuden hin.
Aber man findet sich schließlich im Studio wieder: 2005 arbeitet das Trio an einem neuen Album. „Show Your Bones“ ist bereits Ende August 2005 fertig, bis zum Release sollte noch ein halbes Jahr vergehen.

„Gold Lion“ eröffnet das Album und spiegelt genau dessen Charakter wieder: rockig und aggressiv. Man sieht die schwarz gekleidete Band quasi vor sich: Brian schlägt das Drumsolo zu Beginn des Songs. Karen singt, jault, quietsch während Nick an der Akustik-Gitarre einsetzt. Man hört wie eingespielt dieses Trio ist und wähnt gleichzeitig die Spontaneität der Entstehung. Die Konsequenz: die Musik passt. Man braucht gar nicht lange in das Lied zu hören um zu merken, zu fühlen, wie es einen erobert. Da ist Melodie, da ist Rock, da ist ooh-ooh-ooh. Derartig leichte Elemente führen dazu, dass man den Song sofort, schon beim ersten Mal mitsingen kann, und das will man hier definitiv!

Sängerin Karen setzt auf dem ganzen Album ihre Stimme wie ein Instrument ein. Dass sie laut und leise, weich und hart singen oder schreien kann, das beweist sie in Tracks wie „Fancy (Let´s Rock)“ oder „The Sweets“, einer etwas ungewöhnlichen Ballade, da der Schwerpunkt hier fast auf dem Schlagzeug liegt und nicht wie üblich auf der Gitarre. „Phenomena“ ist wohl neben „Fancy“ die aggressivste Nummer des Albums, vielleicht sogar der Höhepunkt. Härter und abwechslungsreicher und ungleich experimenteller als poppige Tracks wie „Turn Into“, die aber auch nicht ohne verquere Wendungen und ohne Loch im Kopf auskommen. „Honeybear“ ist der Versuch in eine treibende Rocknummer das Keyboard zu integrieren, was zugegebenermaßen recht schräg um die Ecke kommt. Überhaupt sind die Melodien auf „Show Your Bones“ so kratzig wie ein Wollpullover und die Energie setzt alle physikalischen Regeln außer Kraft. So klingt der Untergrund. Cool, verschwitzt und absolut nicht tageslichttauglich.

Der rumpelig-charmante Sound der Yeah Yeah Yeahs ist beileibe nicht unverwechselbar und die Songs bisweilen unausgereift, hingerotzt und dilettantisch. Doch die Stimme Orzolek´s dient ihnen wie ein Markenzeichen. Sie malt das Gesicht der Band: schwarz, kontrastreich und dennoch etwas blass. (Mandy Schmidt, Radio Triquency)

Band: http://www.yeahyeahyeahs.com | Label: http://www.universal-rock.de

Anspieltipps

  • Gold Lion, #1
  • Way Out, #2
  • Cheated Hearts, #6
  • Warrior, #10
  • Turn Into, #12

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