Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 35/2009

Albumcover

The XX
XX

"Höher, schneller und weiter" und dabei auffallen um jeden Preis! In fast allen Branchen wird immer weiter an der Schraube der Reizüberflutung gedreht, um Erfolg und Fortschritt zu erzwingen. Darf man sich da noch übers Burn-out wundern?

Dass Erfolg auch ganz anders funktionieren kann, zeigen die zwei Mädels und zwei Jungs von The XX aus London mit ihrem Debütalbum "XX". So spartanisch wie der Name, so minimalistisch klingt auch die Musik von Romy Madley Croft (Gitarre und Gesang), Oliver Sims (Bass und Gesang), Baria Qureshi (Keyboards, Gitarre) und Jamie Smith (Beats). Hitverdächtige Songs und tanzbare Beats sucht man vergebens und trotzdem kann man Höhepunkte erleben, wenn man sich den aufgeräumten Klangräumen von "XX" hingibt. Keine Effekthascherei. Ein erfrischender Ruhepol im effekthaschenden Neonmeer. So intim und auf den ersten Blick unscheinbar, dass es kein Wunder ist, dass die ersten Eindrücke nicht überwältigen. Den Puls erst einmal gesengt, die Nachtsonne ins Zimmer strahlen gelassen und die erste Flasche Rotwein geleert, formt sich dieses Album aber zu einem treuen und verständnisvollen Begleiter. Es fängt an zu funkeln.

Wie genau das passiert, das ist das Geheimnis der ruhigen Stimmen von Romy und Oliver, die sich sehr ruhig und unaufgeregt umspielen, vielleicht sogar etwas emotionslos und antrieblos wirken. Es steckt eine düstere Abgeklärtheit in ihren Alltagsstimmen, bei denen immer etwas Resignation mitschwingt. Zusammen mit der zurückhaltenden Instrumentierung, bei der kaum ein Schlagzeug-Beat hämmert und auch nicht alle vorhanden Instrumente zu einem Soundbrei vermengt werden, ergibt sich eine Musik, die nach einer gewissen Reinheit strebt und, wenn überhaupt, nur leicht melancholisch angehaucht ist, aber auf keinen Fall depressiv wirkt. Beinahe könnte man also glauben, man hätte sich die perfekte Meditationsmusik eingelegt. Hoffnungsvolles Schweben. Selbst dann, wenn bei "Heart Skipped A Beat", dem hervorragend um "Wicked Game" herumkomponierte "Infinity" oder "Basic Space" doch ein leichter Beat einsetzt.

"XX" klingt nach dem Anspruch von Kunst, die in der Reduzierung ich Heil sucht, dabei könnten die Gründe für die spärliche Instrumentierung und die permanente Langsamkeit profaner sein: Die Vier behaupten selbst, dass sie ihre Instrumente noch nicht so sehr gut spielen könnten und deshalb ihre Musik so "einfach" arrangieren. Das Ergebnis spricht eine andere Sprache, ist weit weg von Amateurtum und Dilettantismus. Es ist die konsequente Fortführung der musikalischen Wurzeln, die in den frühen 80ern bei Bands wie Joy Division und The Cure liegen. Was die Young Marble Giants gen Minimalismus weiterstrickten, entschleunigen The XX erneut und ersetzen die rauen unverzerrten Gitarren durch brave unverzerrte Gitarren - solange, bis am Ende die Popmelodien sprudeln. Genau das macht die Songs so ausgereift und erwachsen, so bleiben sie immer frisch, unverbraucht und zeigen sich hie und da auch mal verspielt wie bei "VCR", wo man sich Dank der Glockenspielklänge in den eigenen Musikunterricht in der Schule zurückversetzt fühlt. Songs wie "Night Time" (das am Ende wunderbar austänzelt) oder "Crystalized" entwickeln sich zunehmend - eine Eigenschaft, die manchen Tracks fehlt und bei denen das stilistische Korsett durchaus auch bedrückend wirken kann. Man muss sich einlassen können auf diese ruhigen Leisetreter, um diese Innerlichkeit, diese Intimität und Ausgeglichenheit wertschätzen zu können. Wider die grelle Welt, hinunter in die schillernde Unauffälligkeit der Nacht. (Florian Hesse, Triquency)

VÖ: 14.08.2009

Band: http://www.myspace.com/thexx | http://www.theyoungturks.co.uk/records_news/introducing-the-xx

Anspieltipps

  • MO: Crystalised, Track 03
  • DI: Heart Skipped A Beat, Track 05
  • MI: Infinity, Track 09
  • DO: Islands, Track 04
  • FR: Night Time, Track 10

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