Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 49/2005

Albumcover

The Wrens
Meadowlands

Nicht unbedingt leichte Kost, dieses Album. Schwermütige Musik, schwermütige
Texte – schwermütige Sänger, die dieses Album geschrieben haben. Die vier
Männer von The Wrens halten mit ihren pessimistischen Gedanken und
bedrückenden Gefühlen nicht zurück – das macht die Ehrlichkeit dieses Albums
aus. Das Leben so wie es ist, zumindest für The Wrens: kalt, rauh und ohne
Hoffnung.

Die Geschichte der Wrens beginnt mit den beiden Brüdern Kevin und Greg
Whelan. Letztgenannter hat gerade sein Jurastudium abgeschlossen und
flüchtet sich aus der tristen Aussicht sein Geld in Zukunft als Anwalt
verdienen zu müssen, in das Spielen von Konzerten mit seinem Bruder. Die
Wrens waren geboren. In den kommenden Jahren wurde die Band um Charles
Bissell und Jerry Mc Donald erweitert und gemeinsam brachte man 1994 ein
erstes Album auf den Markt. Was folgte war ein Major-Deal mit Grass Records
(heute Wind-Up) und einem schnell folgenden Rauswurf, da die Band sich
weigerte, radiokonformere Musik zu produzieren. 2002 unterschreibt die Band
bei dem amerikanischen Indie-Label Absolutely Kosher und veröffentlicht
Anfang 2003 das Album „The Meadowlands“. Und eben dieses erscheint fast drei
Jahre später nun auch hierzulande.
The Meadowlands - ein Album, dass nur so strotzt vor Bitterkeit und
Resignation. Die Band scheint nicht wiederzuerkennen. Die vorigen Alben
waren durchaus nicht von derartiger Schwermütigkeit gekennzeichnet.

Anfang und Ende der Platte bilden zwei Lieder, die keine zwei Minuten lang
sind und das zusammen fassen, was die Titel dazwischen beinhalten:
Frustration, Wut, Enttäuschung. Auf jeden Fall nur ganz wenig Hoffnung.
„The House That Guilt Built“ beweist, wie großartig es den Jungs gelingt,
eine Atmosphäre aufzubauen. Man könnte meinen man stünde in der Natur, genau
vor dem Haus das man auf dem Plattencover sehen kann. Allein, demotiviert
und irgendwie schwermütig. Erwartet man einen fröhlichen Song bei dem Titel
„Happy“ so wird man arg enttäuscht. Mit diesem Song lassen Sie sich Zeit.
Die spärlich gesähten Textbruchstücke beschreiben herzzereißend die letzten
Züge einer sterbenden Beziehung. „She sends kisses“ ist da nur wenig
zuversichtlicher.
Am stärksten ist wohl "This Boy Is Exhausted". Im 60er Style angehaucht,
wird hier mit den Plattenfirmen abgerechnet: Autobiographisch beschreiben
Sie in aggressivem Ton die nervenzermürbende Entstehungsphase des Albums:
„This Boy Is Exhausted, Eight Years Long“, und "Every win on this record´s
hard won". Sehr schön auch die Zeile „Faith Is One Single Long“, die das
Schicksal eines One-Hit-Wonders beschreibt.

Was The Wrens wirklich alles hinter sich haben bringen müssen, zeigt "Boys,
you won´t". Im Gegensatz dazu klingt „Hopeless“ erstmal sehr hoffnungsvoll,
zumindest, was die Musik angeht: Refrains zum Mitsingen und richtig schöner
Gitarrensound. Schaut man aber genauer auf den Text, bleibt nicht mehr viel
von der guten Stimmung: eine Liebe geht zu Ende, eine Beziehung ist
verloren.

„Faster gun“ schließlich, vielleicht auch durch den leicht unverständlichen
Gesang, verbirgt die melancholische, depressie Grundstimmung des Albums und
sorgt für richtig Stimmung. Aktivität statt Passivität steht hier auf dem
Programm, auch wenn sich das vorwiegend in einer bedrohlichen Stimmung
äußert. Musikalisch ist der Song wirklich interessant: abwechslungsreich und
mirt wirkungsvollen Effekten bestückt.
Fast schon schön, dafür aber zu schwer besingt „Thirteen Grand“ die
Geschichte eines gescheiterten oder falsch gelebten Lebens. „Is This Real At
All“ fragen The Wrens und lassen ihr Schicksal realitätsbetäubt über sich
ergehen. Viel mehr Eigendynamik zeigen Sie in „Everyone Chooses Sides“.
Wesentlich rockiger als andere Songs auf dem Album und mit netten Hooks zum
mitsingen erfüllt dieser Song schon eher Hitqualitäten. Da vergisst man
schon fast die pessimistischen Texte. Nur leider endet dieses Lied etwas
sehr abrupt, gerade so als wenn ein Auto gegen eine Betonwand fährt.

Depressiv, aussichtslos. So sind die Texte. Die Musik ist durchaus viel
netter. Von schön-melodisch über rockig-schnell, bis traurig-experimentell.
Nur vielleicht nicht das richtige für einen eh schon trüben Wintertag.

Künstler: http://www.wrens.com | Label: http://www.lomaxrecords.com

Anspieltipps

  • This Boy Is Exhausted, #4
  • Faster Gun, #6
  • Everyone Chooses Sides, #11
  • Thirteen Grand, #7
  • Hopeless, #5

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