Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 09/2009

Albumcover

Wintersleep
Welcome To The Night Sky

Eine Band, die aus dem kalten Kanada rüber nach Europa kommt, dabei ihr aktuelles Album „Welcome To The Night Sky“ im europäischen Winter veröffentlicht und zu allem noch den Namen Wintersleep trägt. Wie viel Stoff für schlechte Wortspiele kann ein Band denn noch bieten? Doch mit Wortspielen würde man der Band nicht gerecht werden. Dafür bietet das neue Album viel zu viel musikalische Klasse und zu viele plötzliche Kehrtwendungen, als das es durch inhaltsfreie Kommentare zu beschreiben wäre.

Auch die Kategorisierung des Albums fällt mehr als schwer. Zumeist kann man im Zusammenhang mit Wintersleep das Genre Indierock lesen. Doch das ist zu kurz gegriffen. Zu vielseitig präsentiert sich die Musik der Kanadier zwischen Alternative, Rock und Pop. Eingängige Melodien werden durch krachende Gitarren abgelöst. Der Gesang von Frontmann Paul Murphy versprüht an einer Stelle Hoffnung, um im nächsten Moment den Hörer vor die Abgründe seiner Existenz zu führen. Das alles wird zuerst episch untermalt um im nächsten Moment durch rockige Elemente wieder hervorzustechen. Sicherlich ist gerade diese Mischung der Grund, dass „Welcome To The Night Sky“ nicht sofort das Ohr des Hörers erobert. Langsam aber tasten sich die Songs an die Seele heran, betäuben die Sinne und ermöglichen Emotionen. Man fühlt mit Paul Murphy wenn er in scheinbar unerträgliche Melancholie versinkt. Man möchte ihn geradezu aus diesem Zustand befreien und ihm zuschreien, dass man ihn versteht, wenn er in „Search Party“ fragt „Do You really think that anybody will listen?“. Kompakt verschnürt sind die Songs und in dunstblaue Atmosphäre gehüllt. Egal ob beim gitarrenschrammeligen Opener oder bei „Archaeologists“, das kleine Gefühlsstürme durchleben muss.

Thematisch wird „Welcome To The Night Sky“ vom emotionalen Existenzkampf getragen. Lohnt es sich noch zu leben? Wird die Welt untergehen? Was wird aus uns werden? Wenn die Welt untergeht, wird Gott bei uns sein? Kann meine Seele den Körper verlassen? Fragen, die sich Paul Murphy auf seiner ca. 50 minütigen Reise stellt. Eine Antwort liefert dieses Album jedoch nicht. Braucht es aber auch nicht. Der Hörer ist viel zu dankbar dafür, mit auf diese Reise gehen zu können.

Wintersleeps Werk ist kein Album das für gute Laune sorgt, wenn es einem schlecht geht. Auch erfindet es die Musik nicht neu. Keine überraschenden Melodien, kein neuen Kompositionen. Aber das Album hat etwas Besonderes. Es fesselt. Einmal gestartet fällt es schwer seine Gedanken davon zu lösen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Kanadier liefern einfach ehrliche Musik. Schnörkellos und geradeaus ohne nervige Experimente, eine Stimme, die zwar nicht besonders einmalig ist, aber gerade deswegen zum Hinhören animiert. Jeder dürfte schon ähnliche Stimmen gehört haben. Ob man sich bei Murphys Gesang an Kashmir oder an die Editors erinnert fühlt, jeder hat das Gefühl die Stimme zu kennen. Und damit baut man automatisch eine Verbindung zu ihm auf, wodurch die Inhalte noch stärker berühren. Eine Platte, die einen auf sehr angenehme Weise leiden lässt. (Michael Savic, CT das radio)

VÖ: 06.02.2009

Band: http://www.wintersleep.com

Anspieltipps

  • Dead Letter, Track 3
  • Archaeologists, Track 2
  • Astronaut, Track 7
  • Drunk On Aluminium, Track 1
  • Early in The Morning, Track 12

Hier könnt Ihr Wintersleep: Welcome To The Night Sky - Silberling der Woche 09/2009 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar