Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 09/2014

Cover: Wild Beasts - Present Tense

Wild Beasts
Present Tense

Im Gegensatz zu vielen anderen britischen Bands, die sich im letzten Jahrzehnt zusammenfanden, hatten die Wild Beasts das Glück, sich Schritt für Schritt weiterentwickeln zu können. Trotz durchgehend guter Presse und später auch kommerziellem Erfolg entstand nie ein Hype um das Quartett aus Cumbria, die Größe der Konzert-Locations blieb überschaubar und einen Hit an den anderen zu reihen, wäre für diese Ausnahmekönner sowieso zu leicht gewesen. 

Gut und gerne hätte man auf dem vierten Album „Present Tense“ genau jenes machen oder einfach genauso weiter machen können. Doch die Wild Beasts gehen ins Risiko und entfernen sich noch mehr aus dem Hier und Jetzt. Schon der Opener „Wanderlust“, der dank seiner pulsierenden Drums und Synthies so etwas wie der einzige Hit des Albums ist, gibt einen dunklen Weg vor. Es ist ein bedrohlich klingender Einstieg, Sänger Hayden Thorpe beschwört bedächtig Geister herauf und lässt keinen Zweifel an seiner Intention: „They Are Solemn In Their Wealth / We Are High In Our Poverty“. 
 
Dieses Zusammenspiel von Hektik und eher bedrückender Grundstimmung durchzieht das Album danach immer wieder, so etwa im zweiten Schlüsselstück „Daughter“. Harmlos beginnend wird es regelrecht zu einem Trauergesang, um schließlich in einer verzerrten Industrial-Gothic-Melange zu enden. Spätestens hier steht fest, dass die Neuausrichtung der Band, die sich auch schon zuvor nie anpassen wollte, vollends gelungen ist. 
 
Hierzu trägt sicherlich auch die Mitarbeit Leo Abrahams‘ als Co-Produzent bei. Nicht erst seit gestern ist bekannt, dass Abrahams von seinem Entdecker Brian Eno gelernt und seine Fertigkeiten darüber hinaus weiter vorangetrieben hat. Die typische Eno-Abrahams-Ästhetik zieht sich durch das gesamte Album – sowohl in der Gesamtheit als auch im Detail. 
 
So lebt „Present Tense“ in Ergänzung zum oben erwähnten Stil von einer ausgeprägten Liebe zur Natur, die sich nicht nur in einigen Songtiteln („Nature Boy“,  „A Dog’s Life“, „New Life“) widerspiegelt. Die Produktion zieht sich hierbei - oftmals werden die Gitarren durch diskrete Synthies ersetzt - auf das Allernötigste zurück und im Gegensatz zum Opener werden die Schönheit und Harmonie des Lebens bei nach wie vor zerrissener Atmosphäre nach außen gekehrt. Auch im ganz Kleinen zahlt sich die veränderte Produktion aus. Alle Löcher sind gestopft, alles ist luftdicht verpackt. Aus dem Universum der Wild Beasts gibt es kein Entkommen. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*) 
 
Künster | Label | Facebook

Anspieltipps

Wanderlust, #1
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Mecca, #3
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Daughters, #5
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Nature Boy, #2
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Sweet Spot, #4
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