Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 15/2003

Albumcover

The White Stripes
Elephant

Rot-Weißes Plattencover? Und noch ein bisschen schwarz dazu? Alles klar: ein neues Album von „The White Stripes“. Erster Eindruck: Die „Stripes“ sind zumindest gestaltungstechnisch sich selber treu geblieben. Auch „Elephant“ hält sich wie seine 3 Vorgänger an diese Maxime – eine sympathische Vorliebe, besonders dann, wenn man aus dem Ruhrpott kommt und so etwas Schlichtes wie Pommes Rot-Weiß auch optisch für lecker hält. Dann mal ausgepackt und aufgelegt.

Aber apropos schlicht: Der Sound von „The White Stripes“ hatte immer schon etwas sehr Reduziertes, war immer schon ein Rückgriff auf einfache, klare Strukturen. Und auch in dieser Hinsicht sind sich „The White Stripes“ selber treu geblieben. Wieder fehlt der Baß (aber er fehlt nicht wirklich) - Meg sitzt hinterm Schlagzeug und Jack besorgt mit der Gitarre den Rest. Mehr nicht. Mehr ist aber auch gar nicht nötig. Ein Konzept, dass ein Kritiker mal wie ein Rezept beschrieben hat: „Man nehme Drums und Gitarre, das Archaische und Schmutzige des Garagen-Rocks und die Seele des Blues´ und spiele damit Songs, die bis aufs Gerippe abgemagert sind.“ Und dann klingen die Songs nach muffigen Proberaum. Sie knarzen, rattern und quengeln - einfach wunderschön. Sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) analysiert: „Tatsächlich haben wir es mit einem Werk zu tun, das bereits aufgrund seiner Kompromisslosigkeit, seiner Rohheit, seiner Primitivität ein Ereignis darstellt.“ Klar, ist die „Stripes“ sind ein Thema, seit die Hochkultur das Phänomen der „The“-Bands („The Strokes“, „The Hives“, „The Libertines“, „The White Stripes“, usw.) als Thema zum Sinnieren entdeckt hat.

Aber ob dieser prähistorische Sound auch noch beim vierten Mal wirkt? Die Antwort ist: Ja, definitiv! Jack White singt sich die Seele aus dem Leib und Meg trommelt energetisch. Jeder einzelne der 14 melodiösen Songs ist eine Liebeserklärung an die Musik. Und trotz der Reduziertheit des Sounds hat jeder Track eine Entwicklung und ist „Elephant“ auch insgesamt höchst abwechslungsreich.

Und es gibt was Neues: So meint man auf „Seven Nation Army“ erstmals doch noch einen Bass mit dem Ohr zu entdecken. Falsch! So klingt eine Gitarre mit einem besonderen Effektgerät, dass durch einen einfachen Druck auf ein Fußpedal zu bedienen ist. Außerdem versucht sich Meg erstmals auch als Sängerin und überzeugt damit.

In nur zehn Tagen hatte die „White Stripes“ das neue Album alles in allem fertig produziert - in einem kleinen Studio in London mit exquisiter ausstattung: nur altes Zeug aus den 60ern oder noch älter, absolut nichts digitales. Und je gefritteter die Anlage ist, auf der man „Elephant“ hört, desto besser klingt die Platte. Übrigens: Nur 9000 (neuntausend!) Dollar kostete die Produktion von „Elephant“. Dafür schließt woanders nicht mal jemand die Tür auf.

Lange her ist es noch nicht, da rätselte die Welt, ob denn Meg und Jack wirklich wie sie vorgaben Geschwister seien. Irgendjemand stieß dann auf eine angeblich eindeutige Scheidungsurkunde. Meinetwegen können Meg und Jack auch Schneeweißchen und Rosenrot aus dem Märchenwald sein (womit wir ja fast wieder am Anfang dieses Textes wären). Entscheidend ist, welche Musik sie machen. Und die ist einfach nur saugeil!

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0)

KÜNSTLERPAGE: www.whitestripes.com / LABEL: www.xlrecordings.com

Anspieltipps

  • Seven Nation Army
  • Hypnotize
  • The Air Near My Fingers
  • Black Math
  • There´s No Home For You Here

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