Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 24/2011

Albumcover

When Saints Go Machine
Konkylie

Falls eine Muschel, mitgenommen aus dem letzten Badeurlaub, in der Nähe liegt, bitte einmal den Staub der Vergessenheit von ihr abwischen und ans Ohr halten! Das ihr entströmende Rauschen und die mit ihr einhergehende Ruhe ergänzt sich durch ein kleines Zirpen, später folgt eine eingedumpfte und markante Stimme. Eine Melodie, mehrere Stimmen, die Konkylie, das Tritonshorn. Die Muschel, die vorher noch ramschiges Souvenir war, eröffnet einen dunklen Raum voller Tiefe und Anmut. Gleichwie im Opener Track des Debüts von When Saints Go Machine. Wie ein Gebet reproduziert Sänger Nikolaj Vonsild seine Verse immer wieder auf ein Neues, ein Bild der Groteskerie fügt sich durch die immer wieder auftauchende und fluchtartig wieder verschwindenden Engelschöre hinzu. Der Zuhörer harrt andächtig aus, in Erwartung dessen, was als nächstes heraufbeschworen wird

When Saints Go Machine verweilen nicht bei diesem Klangmuster. Sie verlassen schnell die Welt des Muschelrauschens, um sich der digitalen Musikverarbeitung zu widmen. Geigen bereiten den Abschied von tendenziell altbackenen Schemen; Beats und Synthesizer setzen ein und nähren einen rhythmischen Fluss, der immer wieder ergänzt wird durch Vonsilds Stimme, die - der Vergleich liegt scheinbar so nah, dass er hier nicht zum ersten Mal fällt - Antony Hegartys sehr ähnelt. Das Arrangement bei "Church and Law", dem zweiten Track von „Konkylie“, gibt die dominierende Haltung der Heiligen an der Maschine an: Es wirkt anmutig-emotional und beinhaltet gleichzeitig das halbe Repertoire elektronischer Musikproduktion – spätestens, wenn die Anleihen von tropischen Beats lospoltern. Komplett neu ist das nun wirklich nicht und könnte dementsprechend eine Symbiose zwischen einer Hegartyschen Stimme und Fever-Rayischen Beats sein. Aber es ist nun mal ihr Debüt und tatsächlich zaubern When Saints Go Machine ihre Klänge hervor, ohne den Eindruck von Unbeholfenheit zu erwecken.
 
Die Muschel, ähnlich zerbrechlich wie die Musik, darf vom Ohr entfernt werden und sollte aufgrund dessen schnell wieder in die Vitrine zurückgelegt werden, wo sie wieder als Andenken - und nicht als Klangkörper - erkannt werden kann. Ihr Rauschen betritt nur noch ab und an den tiefen, rhythmischen Sound, bruchsicher wurde sie von der Tanzfläche weggeschickt. Die kugelrunden Beats, das Klatschen, die vibrierende Stimme lassen die Platte erbeben, automatisch wippt der Kopf mit und die Beine folgen unaufgefordert diesem Beispiel.
 
Bei "Chestnut" überwiegt die Düsterheit, die Beat haben eine wavige Attitüde inne. Später bei "Jets" erzeugen sie eine mysteriöse, dschungelartig-verflochtene Atmosphäre, in der die Vocals verhallen und Hintergrundgesänge wie Glühwürmchen kleine Lichtfunken aufwerfen, die Mysteriösität aber nicht auflösen. Es ist ein Spiel zwischen familiär wirkenden Elementen in der Stimme, der Wahl der Instrumente und des Arrangements mit kleinen Chören, die in diesem dichten Gedränge verstohlen aneinander vorbei huschen. Dieses Szenario verlassend, tritt die Geschichte um Kelly hervor: Davon ausgehend, dass das Album bis dato eine zärtliche Aufforderung zum Tanz ist, wird spätestens bei dieser Nummer die Diskokugel herabgelassen. Nikolaj Vonsild: "Kelly" hat sich von Beginn an richtig angefühlt. Ihre Zukunft ist genauso unperfekt wie unsere, aber zumindest tanzt sie dennoch zu einer Up-Tempo-Nummer, die in Wirklichkeit eigentlich ziemlich langsam ist. Es ist praktisch unmöglich, sich nicht zu diesem Song zu bewegen." Generell scheint das Schweben in verworrenen Sphären und Höhen, mal gebrochen oder ergänzt durch vibrierende, tanzende Rhythmen, das Credo der Dänen zu sein. Schillernd, aber immer mit einem Hauch Dunkelheit, der immer eine Ebene mehr anbietet als andere Bands in ihrem Klang tragen.
 
Zwischen den Tanznummern finden sich immer wieder auch Rastplätze. Engelsgleiche Ensembles, die mit Bläsern gerade noch Dramatik erzeugten, kontrastieren nun jegliche vorhergehende Bewegung. Gedanken an Einkehr und Melancholie machen sich breit. Im finalen Track brechen When Saints Go Machine erneut ihren Klang: "Everything Goes On" – das ist die von xylophonartigen, immer schneller werdenden Regentropftönen begleitete Botschaft, die bei "Add Ends" immer wieder vermittelt wird. Alles bleibt im Fluss. Hoffnungsvoll schweben die Töne tänzelnd in der Luft, bis die Konkylie noch einmal den Raum betritt, ihm die zähe Schwere wieder auferlegt, damit sie sich zum Abschied verneigen kann.(Philipp Wolf, CT das radio)
 

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Anspieltipps

Konkylie, #1
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Church and Law, #2
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Kelly, #7
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Parix, #3
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Add Ends, #10
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