Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 33/2013

Albumcover

Washed Out
Paracosm

Dreampop at its best: "Within And Without" war der Album gewordene Soundtrack für das Schlafzimmer. Ernest Greene etablierte sich durch versierte Chillwave- und Elektropop-Kompositionen. Doch Greene hat keinen Winterschlaf gemacht. Nun ist der Nachkömmling "Paracosm" erschienen. Der gibt sich ähnlich eskapistisch. Von einem Paradigmenwechsel kann man sicher nicht sprechen, doch der schläfrige Synthie Pop ist ein wenig vielschichtiger geworden.

Das mag unter anderem an dem ausgefeiltem Vintage-Equipement liegen, das Greene für sich entdeckte: ein Sammelsurium an alten Keyboards, die schon einige Dekaden auf dem Buckel haben, ausgestattet jedoch mit vorproduzierten Soundeffekten, die sich auch als Samplefunktion dienlich gemacht haben. Dezent integriert in der wavigen Singleauskopplung "Don't give up" oder im programmatischen "Great Escape" (textlich geht es oft um das Vergessen und Flüchten). Aber auch in "All I Know", das dann das Tempo in Gesamtrelation ein wenig anzieht und nebenbei auch Raum für subtil eingesetzte Streicher-Simulationen parat hat. 

Synthiesammlung und seichtes Tronixformat hin oder her: Auch wenn Bezeichnungen wie Feinfühl-Electronica Konsens bezüglich Washed Out sind, ist der Anteil von natürlichen Instrumenten bei den organischen Arrangements nicht gerade gering. Von der wegweisend träumerischen Harfe direkt zu Beginn (erneut eingesetzt im hypnotischen Titeltrack) und dem oftmals scheinbar live eingespieltem Schlagzeug bis hin zu Akkustikgitarre und Klaviermomenten: neun popkulturell hochwertige Meditationen. Alles ist im Fluß, alles gerinnt, die Welt wird im Zeitlupenmodus rezipiert. "Falling back" endet etwa mit Vogelgezwitscher-Recordings. 

Das Geflecht ist verwobener und vielseitiger komponiert als der Vorgänger, der hier im Vergleich minimalistischer wirkt.  Auf "Paracosm" verdichtet sich das verwaschene Synthiegerüst noch einmal. Greene schafft es, seine ohnehin schon stilsicher und feinfühligen Produktionen erneut zu sublimieren. Eine Platte für so viel mehr als nur Matratzen testen. (Philipp Kressmann)

Anspieltipps

All I Know, #5
Link:

Great Escape, #6
Link:

Paracosm, #7
Link:

Don't Give Up, #3
Link:

Weightless, #4
Link:

Archiv aller Silberlinge

radiobar