Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 31/2002

Albumcover

The Vines
Highly Evolved

„it.s 1969 in my head, I just wanna have no place to go, I.m living through the sound od the dead...“ „Craig nichols „1969“ - Diese Zeile aus dem letzten Track des Albums scheint es auf den Punkt zu bringen. „highly involved“ ist ein brilliantes Debutalbum. Viel gutarrangiertes Gitarrengeschrebbel, Texte, die von Freiheit und Unabhängigkeit handeln, und dazu passend, die markante Stimme von Frontman Craig Nichols. Aber, es ist alles geklaut!!!!!!! Da hört man Gitarrenriffs von den Beatles, ein Bißchen Text von Nirwana, und bei Songs wie „factory“ könnte man fast den Eindruck bekommen, Craig hätte zuviel 70er Jahre Glamrock bei Papa im plattenkasten gehört. Trotzdem muß man den vier Australiern einfach den Diebstahl verzeihen. Denn geklaut ist die Musik auf jeden Fall, aber genial geklaut! Denn die Mixtur, aus all den verschiedenen Einflüssen klingt zwar nicht neu, aber sie ist rockig, und auf keinen Fall langweilig.

Daß die Engländer neue Musik grundsätzlich in den Himmel loben, ist nichts Neues.
Aber der Hype, der von der englischen Musikpresse kurz nach ihrer ersten UK-Single „factory“ veranstaltet wurde, war doch zuviel des Guten. Der NME stellte nicht nur Vergleiche mit Nirwana an, sondern mutmaßte auch, daß sich Craig Nichols bestimmt bald das Leben nehmen würde, und man sich die Band unbedingt ansehen müßte, bevor es zu spät sei. Mit Nirwana haben die Vines aber nicht viel zu tun. Denn obwohl Sänger Craig Nichols die Vergleiche brilliant findet, klingt „highly involved“ doch viel zu lebensbejahend, um es mit Nirvana aufnehmen zu können.

Aber Craig Nichols hat auch andere weniger depressive Vorbilder. Dazu zählen Supergrass, und die Manic Street Preachers. Als Manics-Sänger James Dean Bradfield nach einem Vines-Konzert backstage ging, um die Band zu beglückwünschen wäre Craig Nichols fast gestorben vor Glück. Aber fraglich ist es, ob bei so vielen Vorbildern, und bei einer solchen Mixtur von Einflüssen auf Dauer ein eigener Stil entstehen kann. „highly involved“ ist zweifelsohne ein Beweis für Talent, aber keinesfalls dafür, daß es jetzt nur noch bergauf gehen kann. Aus der Euphorie muß jetzt die Entwicklung hervorgehen. Aus „highly involved“ wir dann hoffentlich „highly evolved“.

Kennengelernt haben sich die Vines bei McDonalds in Sydney, wo Craig nach dem Schulabschluß jobbte, weil er keinen Bock auf Studium hatte. Craigs Vater, war früher selbst Musiker, und hatte eine unbekannte Band mit Namen The Vynes. Und so blieben die Jungs ihrem Motto “Klau so gut du kannst, solang es gut klingt“ treu, und nannten sich the Vines. Erst probten sie bei Craig im Keller und Ende 2000 schickten sie endlich Demos an verschiedene Plattenfirmen. Anfang 2001 hatten sie ihren Vertrag sicher, und schon gings erst auf Australien- dann auf UK-Tour. Live rocken sie die Menge in Grund und Boden, und erscheinen als selbstsichere und charismatische Band.
Im Privatleben sind sie aber doch eher zurückhaltend und sensibel. Am liebsten möchte Craig gar nicht touren, sondern sich in seinem Proberaum auf seine Musik konzentrieren. Die ganze Tourerei hat ihn anscheinend nicht nur körperlich, sondern auch psychisch angeschlagen. Jetzt haben die Vines eine kleine Pause eingelegt. Das ist auch der Grund, warum die im September geplante Deutschlandtour auf Oktober verschoben wurde.

Nicht nur Sänger Craig scheint von all dem Rummel angeschlagen zu sein. Der ursprüngliche Drummer David Olive verließ die Band mitten in den Aufnahmen zum Album. Ihm war der Rummel schon am Anfang zu viel. Er verließ die Band. Jetzt haben the Vines zwar einen neuen Drummer, Olive macht sich aber immer noch Vorwürfe, fühlt sich immer noch als teil der Band, und macht die Situation schwieriger, als sie schon ist. Falls die Jungs solche Probleme nicht schnellstens bewältigen, ist es eher unwahrscheinlich, daß sie dem Business, und dem Druck standhalten. Wenn sie es aber schaffen sollten, ihren eigenen Stil zu finden, steht dem Erfolg nichts mehr in Weg, und man kann sämtlichen Lobeshymnen glauben. Aber für solche Spekulationen ist es viel zu früh. Hier und jetzt steht das Album „highly involved“ im Mittelpunkt - und das rockt auf jeden Fall!

Text: Amy Zayed, Herz 87.9, Bielefeld)

HOMEPAGE: www.thevines.com / LABEL: www.emimusic.de

Anspieltipps

  • Mo: Get free.
  • Di: Factory
  • Mi: 1969
  • Do: Outathaway
  • Fr: Autumn shade

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