Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 09/2008

Albumcover

Vampire Weekend
Vampire Weekend

Am Anfang war die Skepsis. Auf dem Schreibtisch wieder einmal die Single einer New Yorker Gitarrenband. Vampire Weekend – ein Bandname, bedeutungsschwanger und nichtssagend zu gleich. Die Erwartungshaltung gleicht dem Nullmeridian. Platte in den Player gelegt, ein Zurren und dann...die ersten Takte. Karibische Ska-Rhythmen, die mal so gar nicht nach New York passen wollen. Passend ist allerdings der zittrig-kraftvolle Gesang, der dem Rezensenten das stereotype Bild eines lebensbejahenden Jamaikaners vor seinem geistigen Auge erscheinen lässt. Moment - im Promobeipackzettelchen stand doch etwas von waschechten New Yorker Junges in den frühen 20ern. Tatsache. Gitarrist: Ezra Koenig. Bassist: Chris Baio. Drummer: Christopher Tomson. Allenfalls der Name von Keyboarder Rostam Batmanglij klingt exotisch, wenn auch nicht nach einer Herkunft aus Südseegefilden. Die erste Überraschung ist perfekt. Bis die nächste Überraschung folgen darf, vergehen ein paar Tage...

Dann liegt auch das selbstbetitelte Debüt der vier Herren aus Übersee vor. Was sich hier offenbart, ist die erste, richtige Indiepop-Perle des noch so frischen Jahres 2008. Vampire Weekend begrüßen uns auf dem „Mansard Roof“, womit die Band nicht nur ihr Gespür für kosmopolitische Klänge, sondern auch ihr Bewusstsein für das Vergangene unter Beweis gestellt hätten. Und das nicht nur in musikalischer Hinsicht: Ihr Blick vom Dach schweift nicht etwa über die penibel gehegten Gärten Frankreichs des frühen 19. Jahrhunderts, der Opener hat stattdessen die Absurdität des Falklandkrieges im Auge. Aber zurück zum Sound. Antiquiert anmutende Hammondorgelweisen drehen sich im Kreise, vermengen sich mit Gitarrenarbeit moderner Rockmusik und den aus der Vorabsingle bekannten Karibikrhythmen. Womit wir hier schon die Grundbausteine des Erstlings ausmachen können: Ein wenig Retrospektive hier, ein wenig Weltmusik da, dazu eine Prise „The Strokes“ – und alles nicht so spektakulär exotisch, wie es andere Rezensenten weismachen wollen. Wobei diese arg heruntergebrochene Formel dennoch in keiner Weise der Experimentierfreude gerecht wird. Die einzelnen Einflüsse, die in gerade mal elf Tracks gepackt werden, lassen sich wohlmöglich gar nicht mehr aufdröseln.

Mit den Weltmusikklängen allein ist es für Vampire Weekend nicht getan, dafür wurde zu weit über den Tellerrand geschaut. Bisweilen immer im Blick: Das Indiepop-Diplom. Der akademische Anspruch bewirkt, dass „Cape God Kwassa Kwassa“ - inklusive afrikanischer Buschtrommelbegleitung – immer feste auf den Boden stampft, während es in „Bryn“ volkstümlicher zugeht: Mit trommelnden Marschrhythmen und fidelartigen Streichereinlagen entsteht eine neue, kleine Hymne. Damit nicht obendrein das Fernweh des Hörers überstrapaziert wird, begnügen sich die Jungs auch mit dem ein oder anderen eingängigen, aber nicht minder vielschichtigen Popsong à la „I Stand Corrected“ oder „Campus“. Letzterer hat mit seinen treibenden Elektrobeats sogar das Zeug zum lupenreinen Tanzflächenfüller. Und während Vampire Weekend zum allgemeinen Tanz auffordern, werden – wie für uns Studenten gemacht – gemeine Professoren und Oxford’sche Kommata besungen. Hier zeigt sich die ganz große Stärke der Platte: Man darf sich zurücklehnen und von unverbrauchten Melodien berieseln lassen, die intensive Beschäftigung mit dem Material ist allerdings auch erlaubt. Erfrischender und amüsanter kann Gitarrenpop anno 2008 nicht sein. (Patrick Torma, CampusRadios NRW)

VÖ: 22.02.2008

Künstler: http://www.vampireweekend.com | Label: http://www.xlrecordings.com

Anspieltipps

  • Nr. 3: A-Punk
  • Nr. 4: Cape God Kwassa Kwassa
  • Nr. 1: Mansard Roof
  • Nr. 7: Bryn
  • Nr. 6: Campus

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