Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 50/2001

Albumcover

V.A.
Popshopping 2

Teil 2 ist da vom Nostalgie-Soundtrack der Generation Golf. Das sind diejenigen, die nach Ilia Richters Disco 77 ihre Zähne mit Blendi putzten und in ihren Träumen gemeinsam mit Herrn Rossi das Glück suchten. Damals gab es nur drei Fernsehprogramme und die Werbung war meistens das Bunteste, was über den Bildschirm flimmerte. Auf „Popshopping 1“ waren zum ersten Mal die schönsten unter den vertonten Prilblumen zum Melodienstrauß gesteckt. Ein Stimmungsknüller in deutschen Szene- und Wohnzimmer-Clubs. Nachdem es wenig später auch ein Remix-Album gab, ist jetzt endlich wieder ein Album mit echten originalen Werbesong-Klassikern erschienen: „Popshopping 2“.

Die Kreuzung aus Werbung und dem zwischen 1960 und 1975 hoch angesagtem "Easy Listening" hieß "Schallfolie". Eine biegsame, bunte Folie mit Abspielrillen. Ein Give-Away. Und das, was drauf war, war Kunst. Gutbezahlte, strikt funktionale Auftragskunst. Klang gewordene Brotjobs, die neben den strengen Vorgaben der Marketing-Etagen trotzdem noch Platz ließen für die Genialität ihrer Schöpfer. Und das Format der Schallfolie führte eben genau dazu: aus der Miniatur eines Werbejingles, heraus entwickelt - und trotzdem so lang wie ein gewöhnlicher Song. Auf der Folie durften die klingenden Werbeträger endlich das sein, was sie eigentlich waren: Musik.

Unter moralischen Gesichtspunkten ist "Popshopping 2" wie sein Vorgänger marktwirtschaftlich pervertierte Tonkunst. Aber wer braucht schon die Moral? Federleicht schrauben sich die meist euphorischen Harmonien empor, peitscht manischer Beat-Rhythmus die künstlichen Partys voran. Im Gegensatz zum Vorgänger ist Popshopping 2 aber um einige Spuren psychodelischer. Und das ist auch gut so, denn der Kult um Easy Listenung und den Deutschen Schlager der 70er ist inzwischen längst nicht mehr lustig. Zugegeben, auf die Dauer hält die Porno-Orgeln und den James-Last-Funk echt kein Mensch aus. Muß aber auch keiner. Es ist halt wie bei allem: Genuß gibt’s immer nur in Massen.

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0, dortmund)

LABEL: www.crippeled.de

Anspieltipps

  • MO: Unbekannt – Miss Fenjala (Tr. 4)
  • & Botho Lucas Singers – Zigarello (Tr. 2)
  • DI: Unbekannt – Happy Meeting (Tr. 23)
  • MI: Unbekannt – Shoe Shoe Twist (Tr. 16)
  • DO: Oliver Peters – Wenn der Teekessel singt (Tr. 7)
  • FR: Unbekannt – London Look (Tr. 9)

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