Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 45/2001

Albumcover

US 3
An Ordinary Day In An Unusual Place

Als ich den neuen Longplayer von „Us 3“ endlich in meinen Händen hielt, befiel mich zweierlei: zum einen brach schlagartig dieses Fieber aus: zitternde Hände, bedenklich erhöhte Pulsfrequenz und dicke Augen voll von lechzendem Wahn. „Geil, was Neues von den Meistern der Fusion von Jazz und HipHop!“, murmelte ich vor mich hin. Zum anderen war da gehörige Skepsis: „Cantaloop (Flip Fantasia)“ - so was ist doch unwiederholbar. Der große Hit von Us 3 – durchgenudelt bis zum „GehtNichtMehr“. Alle fanden ihn damals 1993 groß. Spätestens aber als Cantaloop von Willemsen dann als Intro für seinen Intelektuellen-Talk im ZDF missbrauchte, war es vorbei.

Us 3 – läutete 1993 eine neue Qualitätsstufe des Samplings ein, das bis dato oft als „Klauen“ verschrieen war. Geoff Wilkinson, der Vater von Us 3, war ein Freak, der wie ein Maulwurf ganze Archive nach alten Jazzplatten durchstöberte. Und er machte der Welt schließlich klar: Aus der aufregenden Musik alter Zeiten lässt sich mit Gespür und Kreativität etwas Neues und Zeitgemäßes zaubern, ohne dass dabei die Integrität des Originals verletzt wird.

Inzwischen sind Us 3 drei Schritte weiter. Die Platte kommt mit weit weniger Samples aus und sind auch noch subtiler eingesetzt. Im Vordergrund stehen live gespielte Jazz-Soli und der Song, die Komposition an sich. Stilistisch bekomme ich einiges geboten: von Brazil über indische Klänge bis Drum’n’Bass. Ja, hier kann man tatsächlich hören, was viele nicht mehr glauben: Drum’n’Bass-Beats kann man in Echtzeit live mit einem Schlagzeug einspielen.

Rapper Michelob stellt sicher, dass die Us 3-typischen Rap-Passagen nicht zu kurz kommen. Eine wirkliche Entdeckung ist aber die Stimme von Sängerin Alison Crockett. Stellenweise erinnert sie an den Gesang von „Jelisha“, die vor wenigen Jahren mit einem Album debütierte, das unter die Haut ging. Alison Crocketts Stimme ist wie ein Heer Ameisen, dass einem über den Körper läuft und einen schönen Schauer auslöst, dem man sich voll und ganz hingeben möchte. Dieser Effekt steigert natürlich die Aussagen der sozialkritisch deutlichen Worte: die Botschaften hinter den Texten wirken eindringlich suggestiv: gegen Gewalt, Rassismus, Drogen und Umweltverschmutzung.

Die Soundreise mit Us 3 geht leider zu Ende. Und nach dem letzten Track schließe ich das Booklet. Auf dessen schwarzen Rücken prangt die Frage, die tief in das Bewusstsein des Zuhörers dringt: „What are you doing tomorrow?“ Die Antwort liegt doch auf der Hand: Wieder ne Dosis „Us 3“ in die Gehörgänge sprudeln, oder?

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0)

Homepage: Die gibt’s nicht wirklich. Ein Fan hatte eine gemacht. Aber seht selbst, was daraus wurde: www.us3.com

Label: www.jazzecho.de

Anspieltipps

  • You Can’t Hold Me Down (Tr. 3)
  • Why? (Tr. 13)
  • Let My Dreams Come True (Tr. 4)
  • Enough (Tr. 8)
  • Sugar Sugar (She She Wah Wah) (Tr. 12)

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