Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 15/2006

Albumcover

Urban Delights
Revolution No. 1

Revolution [lat.(-fr.)] w; -, en: 1) gewaltsamer Umsturz der bestehenden politischen oder sozialen Ordnung.
2) Aufhebung, Umwälzung der bisher als gültig anerkannten Gesetze oder der bisher geübten Praxis durch neue Erkenntnisse und Methoden

Als der New Yorker Brain Burton (Danger Mouse) Anfang 2004 das „White Album“ der Beatles mit dem „Black Album“ von Jay-Z mixte und mehrere hundert Websites weltweit, solidarisch grau eingefärbt, das „Grey Album“ zum Download bereit stellten, zeigte sich, dass es immer noch möglich ist, der Industrie und der Diskussion um dem ewig umstrittenen Copyright Begriff eine qualitativ neue Richtung zu geben.
Ziviler Ungehorsam gegen die repressive und selbstgefällige Politik der Musik-Industrie.

Hier zeigen sich zwei Aspekte momentanen Zeitgeists. Zum einem wurde durch die geschickte Nutzung des Internets und seinen Ressourcen der, bisher eher langatmige und anstrengende, Prozess des Kräftebündelns schnell, stilsicher und effektiv umgesetzt, zum anderen stand das „Grey Album“ als Speerspitze an der Front einer MashUp-Kultur, die sich, in erster Linie gestärkt durch die Erfahrungen der HipHop Gemeinde (Sampling, Acapellas, Instrumentals, Promo Copy-not for sale, etc.) und längst fest verankert auf den Plattentellern der Clubs (A night at the Hip Hopera (Queen), Parkspliced (Blur), London Booted (The Clash), Yoshimi Tackles The Hip Hop Robots (Flaming Lips) and The Pwodigy (The Prodigy), gegen die Verwertung geistigen Eigentums durch die Musik-Industrie wehrt. Der neueste Coup: Burtons Projekt „Gnarls Barkley“ ging mit dem Song „Crazy“ von Null auf eins in den englischen Single Charts – nur durch selbst organisierte, legale Downloads aus dem Internet.
Revolution.

Eigentlich muss alles nur gekonnt kombiniert werden
Das ist nicht neu. Schon immer bedienten sich Musiker bei anderen Kollegen. Stile zu mischen und dabei nicht auffallen, war das bisherige Konzept. 2006 ist das ein bisschen anders.
Heute gerät der kreative Prozess an sich in den Vordergrund.
Der Hamburger Malte Hagemeister, der eine Part von Urban Delights, dazu: „Künstlerisch geht genau das, es geht um das Kombinieren von Stilen. Es geht dabei nicht so sehr darum irgendwas total Neues zu finden, sondern es geht eher darum die Elemente zu mixen, die noch nicht miteinander gemixt wurden.“

„Revolution No.1“ (Unique Records) richtet das Augenmerk dabei also nicht auf die innere musikalische Erfahrung durch den Stilmix, der Stilmix selbst rückt in den Vordergrund. Mash-Up also. Wie klingt das? Hier lohnt es sich erstmal die Biografien der beiden Urban Delighter zu studieren. Hagemeister spielt Gitarre, gründet 1994 die Band „Be“, spielt auf mehreren Produktionen für Randy Crawford, Mousse T, Cultured Pearls, auf Remixes für Madonna und Moloko. Schreibt und produziert ab 2001 Songs für Fettes Brot, Timo Maas und die Sugarbabes und lernt auf Tour den Brightoner Harry K kennen. Der war bis dato mit Apollo 440 unterwegs, hat produziert und aufgelegt. Fertig ist die Deutsch-englische Freundschaft – das Projekt „Urban Delights“ wird 2005 gegründet.

Und jetzt „Revolution No.1“. Der Stilmix selbst rückt in den Vordergrund. Der Rocker Malte trifft auf den englische Clubnerd Harry. Es funktioniert. Beispiele?
„Rock´n´Roll Star“: leicht und flyin´singt Malte Marvin Gaye Tribut zollend über eingängiges Gitarrenriff mit fordernden Drang zum House-Track.
„Won´t Let You Down“: 60ger Drumloop mit Funk/Soul Ästhetik, Bläserhits und BigBeat-Drive lädt mit eingängigem Chorus zum Mitsingen und Tanzen ein.
„Revolution No.1“: Reggae-Beat mit brodelndem, elektrischem BassGemisch und Singalong Refrain - babababa.
„Live Less Ordinary“: harter Drumbeat trifft auf Synthie Massaker und ruhige Gitarre, Marvin Gaye Ästhetik, dann härter, aufregend und treibend zum Schluss hin beruhigend.
Immer dabei: Maltes Gitarre und Harrys britannische Club-Attitüde - Understatement.

Teil des Erfolgs: das Düsseldorfer Label „Unique Records“, das mit seiner ruhigen Politik scheinbar immer unaufgeregt und ausgehend von den eigenen Wurzeln (60/70er Soul /Funk), einzigartige Acts ausgräbt und sich erfolgreich um weltweite Vermarktung ihrer Künstler (Frank Popp, Up Bustle and Out, Ben Human, N.O.H.A., Malente) kümmert.

Urban Delights „Revolution No.1“ beginnt die Auflehnung gegen die bestehende Ordnung, positiv auffallend, auf rein musikalischer Ebene und steht fortan im Verdacht am Anfang eines neuen Musikverständnisses mit dabei gewesen zu sein.
Beats for Rockers und Rock for Clubbers mit Urban Delights und der „Revolution No.1“. Zeichen für den musikalischen MashClash of ClubCultures und Beispiel für geglückte europäische Zusammenarbeit unter dem Damoklesschwert der Globalisierung. (Christian Düchtel, hochschulradio düsseldorf)

Künstler: http://www.urbandelights.net/ | Label: http://uniquerec.com/

Anspieltipps

  • "Won´t Let You Down", 10
  • "Right Place Wrong Time", 11
  • "Rock´n´Roll Star", 6
  • "Do It", 9
  • "Live Less Ordinary", 3

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