Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2010

Albumcover

Undertow
Don't Pray To The Ashes

Metal ist tot. Chimairas Sänger Mark Hunter sorgte zu Beginn des Jahres mit einem Interview für Schlagzeilen in der Metalszene. Seiner Ansicht nach gibt es seit dem Aufkommen des von Core-Elementen geprägten Metals Ende der 90er, zu dem Bands wie Killswitch Engage oder Lamb of God gehören, keine Weiterentwicklung in der Szene mehr. Dabei genügt bereits ein Blick nach Deutschland um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Mit Bands wie Helloween oder Grave Digger gab es schon immer eine große Bandbreite im Power-Metal Bereich. Aber mittlerweile gibt es auch viele international konkurrenzfähige Modern-Metal Bands. Vor allem denkt man da an Juggernaut, dem Debutalbum von Drone aus dem vergangenen Jahr oder an die Newcomer von Concept Insomnia, die ebenfalls mit ihrem Erstling gute Kritiken abstaubten.

Eine Band, die schon länger dabei ist, aber erst mit ihrem neuen Album „Don’t Pray To The Ashes“ für Aufsehen in der Szene sorgt, ist Undertow aus Baden-Württemberg. Auf ihren bisherigen fünf Alben bewegte sich ihre Musik im groovigen, eher etwas düsteren Doom-Metal Bereich. Potential zeigte das Trio dabei auch schon auf Alben wie „Milgram“ (2006) oder „34CE“ (2003). Allerdings waren diese Alben doch sehr auf Doom-Metal-Fans ausgerichtet. Die neue CD hingegen ist kein reines Doom-Album. Vielmehr haben Undertow den Spagat zwischen den alten Wurzeln und der Hinzunahme neuer Elemente erfolgreich umgesetzt. Vor allem Thrash-Metal-Riffs wurden verstärkt in die Songstruktur miteingearbeitet („Art of Falling“).

„Don’t Pray To The Ashes“ wirkt aggressiver und lauter als die Vorgänger. Aber gerade die neue Vielseitigkeit sorgte dafür, dass Undertow mit ihrem aktuellen Werk die Szene begeistern. Thrashlastige Knüppelsongs werden durch melancholische Doom-Metal-Stücke abgelöst. Insbesondere die beiden Songs Still Wating und Beyond Dreaming (zusammen mit End Of Green Sänger Michelle Darkness) stehen für die Vergangenheit der Band. Die Melodien aus den ruhigeren Songs wurden jedoch auch auf die Thrash-Riffs übertragen. So geht es nicht nur darum möglichst schnelle Parts in die Songs zu integrieren. Viel mehr geht es um Eingängigkeit und harmonischen Songarrangements. Textlich greift das Album Doom-Traditionen auf. Im Mittelpunkt stehen zumeist Unglück, Hoffnungslosigkeit und verpasste Chancen. Wahrscheinlich ist Undertow nicht die Rettung einer wohl auch nicht toten Metal-Szene. Dafür weist das Album doch noch Schwachpunkte auf. Die Vocals sind über die gesamten 51 Minuten sehr monoton angelegt. Sicherlich passt die Tonlage zum melancholischen Musikstil der Band, aber gerade im Duet mit Michelle Darkness von End of Green fällt die geringe Wandlungsfähigkeit von Sänger Joshi auf. Zumeist bewegt er sich irgendwo zwischen Clear-Vocals und Screamo-Elementen.

Allerdings schmälert dies nicht die Wirkung von „Don’t Pray To The Ashes“. Zu dominant ziehen die 10 Tracks die Aufmerksamkeit auf sich. Auch die Anordnung der Songs ist gelungen, so dass das Album oftmals zwischen Doom- und Thrash-Metal Parts hin und her wechselt. Es wirkt fast so als wollte das schwäbische Trio Mark Hunter direkt belehren. Ganz nach dem Motto „Schau her, die Metalszene ist verdammt lebendig!“. (Michael Savic, CT das radio)

VÖ: 15.01.2010

Band: www.undertow.de | Label: www.prevision

Anspieltipps

  • Art Of Falling, 3
  • Still Waiting, 4
  • The Bitter Taste, 2
  • Ashtray Memories, 7
  • Smoke Garden, 6

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