Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 39/2007

Albumcover

Two Gallants
Two Gallants

Der raue Staub durchweht jede noch so kleine Ritze. Das gerostete Schild der örtlichen Bar baumelt trostlos und knarzend in der sengenden Sonne. Die Einöde und der Wüstenblues amerikanischer Wild West-Landschaften wurde nur für eine Band erfunden, die gloriose Geschichten und rumpeligem Gitarre/Schlagwerk-Sound zu ihrem ganz eigenem Klang verbinden. Seit 2002 musizieren Adam Stephens (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) und Tyson Vogel (Schlagzeug, Gesang) unter dem Namen Two Gallants, zu dem sie von der gleichnamigen Kurzgeschichte aus Dubliner von James Joyce inspiriert wurden. Zwar haben sich die zwei Jungs in San Francisco kennen gelernt, Musik gemacht haben sie jedoch schon seit ihrer Jugend. Mit ihrem Debütalbum "The Throes" (2004) konnten sie international so überzeugen, dass einem Wechsel von "Alive Records" zu "Saddle Creek" nichts im Wege stand. Auch wenn Stephens und Vogel immer wieder deutlich sagen müssen, dass sie nicht "Bright Eyes" sind, mit denen sie häufig assoziiert werden, fühlen sie sich beim "Bright-Eyes-Label" wie zuhause. Kein Wunder, verbindet Saddle Creek doch passend amerikanische Trademark-Sounds und die gewisse, spröde Indie-Geisteshaltung. Andere musikalische Vergleiche zielen auf Künstler wie Bob Dylan, The White Stripes und die Decemberists, mit denen sie 2005 auch auf Deutschland-Tour waren.

Die zwei Indie-Folk-Rocker zeigen sich von so manchen Rahmenbedingunen der Musikindustrie unbeeindruckt und lassen ihre Songs nicht zwanghaft in radiokonforme Kürze pressen, genauso wenig ziehen sie die Titel künstlich in die Länge. So lag die Spieldauer der einzelnen Tracks auf dem 2006 erschienenen furiosen Longplayer "What the Toll Tells" zwischen 4:30 und 9:30 Minuten. Für das aktuelle Album notieren wir 3:19 und 5:55 Minuten – fast eine revolutionäre Entwicklung sprechen könnte. Musikalisch dem Duoprinzip geschuldet, erwarten den Hörer bekannte Klänge. Der Grundcharakter ist eher noch schwermütiger und die Sounds tendieren dabei deutlich in Richtung Folk und Indie. Etwas rockiger wird es selten, so z.B. im Opener "The Deader". Die schlanke Instrumentierung wirkt nie zu schwerfällig und trotzdem intensiv. Den ganz besonderen Charme erhält die Musik der zwei Kavalliere jedoch durch die raue und markante Stimme Adam Stephens´, die er gekonnt von Krächzendem bis hin zu warmen und auch melancholischen Sounds einzusetzen weiß.
Ein kleines Highlight des Albums bietet vielleicht "Trembling Of The Rose". Schon das unplugged Gitarren-Intro in Kombination mit Stephens’ ergreifender Stimme besticht, wenn dann allerdings noch Cello und Violine, gespielt von Jackie Perez Gratz und Anton Patzner, einsetzen, erwarten einen überwältigende Momente, deren es viele zu entdecken gilt. Bleibt zu guter Letzt nur noch die Frage, warum Two Gallants auf dem Cover ihre Köpfe verdecken? Denn verstecken müssen sie sich für dieses Album auf keinen Fall... (Florian Hesse, Triquency)

VÖ 28.09.2007

Band: http://www.twogallants.com | Label: http://www.saddle-creek.com

Anspieltipps

  • Despite What You´ve Been Told, #07
  • Miss Meri, #02
  • The Deader, #01
  • Fly Low Carrion Crow, #08
  • Trembling Of The Rose, #04

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