Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 36/2012

Albumcover

Two Door Cinema Club
Beacon

2009 war auf einer Samplerausgabe des französischen Mode- und Indieelektrolabels "Kitsuné" ein Track des irländischen Trios Two Door Cinema Club zu finden. "Something Good Can Work", damals noch in einer etwas rauen Version zählte jedoch schon ein halbes Jahr später zu dem Dutzend Popperlen, die sich fortan zum festen Bestandteil jeder Indiedisco etablierten. Die infantilen Gitarrenriffs zeichnet ein dermaßen hohes Ohrwurmpotential aus, dass der Erfolg der jungen Iren auch kaum verwundert. Jetzt folgt das zweite Album. Das Werk, an dem sich der weitere Weg in vielen Fällen bereits dialektisch voraussagen lässt: Bloc Party kehren derzeit zum straight rockigen Sound zurück, von dem sie sich noch auf Album Nummer zwei und drei demonstrativ verabschiedeten. Ebenso werden die Killers nach verkitschten Ausflügen auch wieder rockiger.

Two Door Cinema Club machen auf dem zweiten Album jedoch nichts anders. Das heißt in diesem Kontext aber auch: nichts falsch. "Beacon" versammelt elf ungefährliche Popbomben im erneut clever arrangiertem Indiepop-Format, das tatsächlich nur einmal über vier Minuten Länge kommt. Die Songs werden erneut von dieser vitalen Dynamik getragen, die schon das Debüt durchgehend durchfloss. Der Opener "Next Year" kokettiert förmlich mit dem vielfach geäußertem Vorwurf, Two Door Cinema Songs seien im Grunde nur Variationen eines einzigen Songs, in dem er eine einzige Synthiesequenz nur leicht modifiziert den gesamten Song über wiederholt (das gleiche Prinzip in "Handshake", das frecherweise direkt prompt den Anschluss bildet). Das soll gar nicht negativ verstanden werden, denn Fakt ist: Es funktioniert. Herzlich unbeschwert hagelt es simple und harmonische Melodien, sirenenartige Riffs, die nach den hellsten und quirligsten Sirenengitarren der Editors klingen. Nur eben größtenteils in Dur. Und auch wenn es mal melancholischer wird: Unmittelbar darauf folgt eine harmonisch geschmeidige Wendung.

Was ebenfalls auffällt: Die natürliche Instrumentierung wird um einige Elemente phasenweise erweitert, was eventuell an Produzent Jacknife Lee liegen könnte, der unter anderem auch schon neben den besagten Editors für R.E.M. tätig war. Auf der Midtemponummer "Sun" vernimmt man ein Wurlitzer-Piano, dazu gesellen sich im weiteren Verlauf auch einige Bläser. Die Gitarrenarrangements sind abwechslungsreich gelungen, "Someday" paart schnelle und hohe - fast schon tendenziell punkige - Sequenzen, "The World Is Watching" hingegen erzeugt Dreampop-Stimmung. Das versierte Kalkül des Trios äußert sich auch in der Singleauswahl: "Sleep Alone" ist wohl der sprühendste Song des Albums, der nahtlos in der Tradition der charmant unschuldigen Indiediscoevergreens von "Tourist History" steht. Two Door Cinema Club verstehen ihr Handwerk perfekt. Das liegt darin, kurzweilige, aber gleichzeitig qualitativ hochwertige Indiepop-Stücke mit starker Eingängigkeit und Wiedererkennungswert zu zimmern. Thematische Tiefe darf man der Band nicht abverlangen. Auch wenn nach Frontmann Alex Trimble "Beacon" eine Entwicklung der Band darstellt, die unter anderem in der steigenden Intimität der Lyrics liegt, und man eingestehen muss, dass "Beacon" tatsächlich ein wenig dichter als sein Vorgängerist, sollte man hier keine existenzphilosophischen Befindlichkeiten erwarten. So verständlich Zeilen wie "Hold me close, I've never been this far from home" (in "Sleep alone") auch wirken mögen, so authentisch Trimble "You have always known, you are not alone" (aus dem mit Streichersynthies versehenem, wohl kitschigsten Stück der Platte "The World Is Watching") auch singen mag, tiefenpsychologisch geschweige denn intellektuell herausfordernd ist das alles natürlich nicht.

Muss es aber auch gar nicht. "Beacon" ist ein überdurchschnittliches Indiepop-Album, das für ähnliche Begeisterung wie sein Vorgänger sorgen wird. Wenn man sich - der aktuellen Visions-Ausgabe nach - mit der neuen The xx in den Nachtbus setzen kann, um die frische Trennung zu verschmerzen, eignet sich "Beacon", um mit dem neuen Partner in der nächstgelegenen Indiedisco durchtanzen, in der die Scheibe sowieso bald archiviert sein wird. Auch wenn man sicherlich zu anderen Platten greifen wird, wenn man dann eben doch wieder alleine schlafen muss.  (Philipp Kressmann, CT das radio) 
 

Anspieltipps

Next Year, #1
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Wake Up, #3
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Beacon, #11
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Sleep Alone, #6
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Sun, #4
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