Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 10/2003

Albumcover

Turin Brakes
Ether Song

Man sagt Musik ist Balsam für die Seele, meiner Meinung nach aber nur, wenn sie Seele hat. "Ether Song", das neue Werk von Turin Brakes aus England besitzt dieses Quäntchen Seele, das aus einem durchschnittlichen netten Album etwas Größeres macht. Turin Brakes verstehen sich ähnlich wie Jimmy Eat World auf die hohe Kunst des zweistimmigen Gesangs. Wenn Olly Knight und Gale Paridjanian den Refrain eines Songs zusammen anstimmen, verleihen sie den ohnehin schon großartigen Melodien die Goldkante. Zwar bleiben diese nicht unbedingt beim ersten Hören hängen, dafür sind die Hooklines nicht catchig genug, aber nichtsdestotrotz oder gerade deswegen sind sie nach mehrmaligem Hören nicht mehr aus den Ohrwindungen wegzudenken. Als poppig verspielt, das meint nicht nur auf die Indie-Gitarren beschränkt, sondern auch Klavier und Effekte, die mich manchmal wie in "Falling Down" an Sigor Ros erinnern, abwechslungsreich und durchweg positiv könnte man die Platte und den roten Faden beschrieben, der sich durch das Album zieht. Aber eigentlich ist er eher blau, denn mit "Blue Hour", "Clear Blue Air" und "Full Of Stars" ist doch ein himmlischer Fingerzeig vorgegeben. Ein Konzeptalbum ist "Ether Song" aber in keiner Weise. Unterschiedlicher könnten die Songs nicht sein - so z.B. erst das erfrischende "Average Man" und dann kommt das eher elegische "Long Distance" daher ? eher ein Konzept der Gegensätze. Aber eines haben all diese Songs gemeinsam: diese zwei Stimmen, die wie eine klingen und die diese Songs in Perlen verwandeln. Allein schon die erste Single "Painkiller" lässt mein Herz höher schlagen und ich bin sicher, wenn man diesen Song in einer Einkaufspassage laufen ließe, würde er selbst hier in Deutschland den Menschen zumindest ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern. Das klingt zwar banal, aber was ist Musik wert, wenn sie noch so innovativ ist, uns aber nicht berührt? Turin Brakes erfinden sicherlich nichts neu, zitieren und klauen aber auch nicht dass es peinlich wäre. Dennoch schreiben sie Zeilen wie "I need you like water". Somit vollbringen sie etwas ganz besonderes: Sie hauchen ihren Songs Seele ein und verschaffen uns so einen Frühling voller Hoffnung und voll von perfekten Pop-Songs. Und wie sagte einst eine Freundin zu mir: "Das kann einiges..."

(Text: Sandra Zapke, c.t. - das Radio, Bochum)

Anspieltipps

  • Mo: Painkiller (#8)
  • Di: Little Brother (#11)
  • Mi: Falling Down (#5)
  • Do: Average Man (#2)
  • Fr: Blue Hour (#1)

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