Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 12/2002

Albumcover

...Trail Of Dead
Source Tags and Codes

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead (kurz: Trail Of Dead) sind vier Jungs aus Austin, Texas, namens Conrad Keely, Neil Busch, Kevin Allen und Jason Reece. Diese jungen Herren haben sich 1994 zusammengetan, um unter den unglaublich langen Bandnamen aggressive und zugleich melodische Gitarrenmusik zu machen. Trail of Dead haben bereits zwei Alben veröffentlicht, ein selbstbetiteltes und das hochgelobte Album Madonna.

Unter dem Banner des neuen Major Labels Interscope veröffentlichte die Band dieser Tage das dritte Album Source Tags and Codes. Dieses Album beinhaltet energetische und durchaus melodische Songs, welche sehr abwechslungsreich gestaltet sind und sich im Verlauf des Albums aufeinander aufbauen. Denn vom Temperament her verläuft das Album wie eine Sinuskurve, also ein ständiges auf und ab: Aggressive Wutausbrüche wechseln sich ständig zu raue Melodien bzw. zarte Klangspiele mit Klavier und Geige. Dominierend aber bleibt zwischen Bass, Schlagzeug, Harfe, Akkordion, Trompete und den vorher genannten Instrumenten ohne Zweifel die Gitarre. Die musikalischen Vorbilder von Trail Of Dead sind ebenso unterschiedlich wie vielseitig: im Booklet werden u.a. Frank Black und die letztes Jahr leider aufgelösten At The Drive-In genannt. Dennoch bleibt eine musikalische Einordnung schwierig: Man könnte es vorsichtig als Emocore bezeichnen, doch so facettenreiche Arrangements (gerade durch die außergewöhnlichen Instrumente) wie bei Trail of Dead , hat man auf noch auf keinem Emo-Album gehört.

Nehmen wir doch die Lieder unter die Lupe: der Opener “It was there that I saw you” beginnt stürmisch und mit sehnsuchtserfülltem Gesang, driftet dann in ruhigere Gewässer mit einer schönen Melodie, um dann wieder zu enden, wie er angefangen hat.
„Homage“, das dritte Lied, beginnt mit schnellem Tempo und keifendem Geschrei, wie es Cedric Bixler von At The Drive-In nicht besser machen könnte, allerdings versteift sich der Song nicht auf überschallschnellem Tempo, sondern lockert hin und wieder mit akustischen Passagen auf. Lied Nummer sechs „How Near, How Far“ erinnert ein wenig wegen der Gitarre an die alten grandiosen Indierock-Tage von Frank Black und seiner Pixies, aber mit neuer, frischer Energie und einer Portion trauriger Sehnsucht im Gesang. Track Nummer acht „Heart in the Hand of Matter“ ist rauer Gitarrenpop, doch besticht der Song mit seiner tollen Melodie, was nicht zuletzt durch die Klaviereinlagen unterstrichen wird.

Summasumarum bieten (...And You Will Know Us by the)Trail of Dead ein außergewöhnlich geniales Album, welches durch ausgeklügelte Melodieideen, einer aggressiven Grundstimmung und ausgefeilten Songarrangements herausragt. Langweilig wird es definitiv nicht, wie die Band auf ihrer Homepage bekennt, the only sin is boredom. Vielleicht etwas noch nie dagewesenes. Eine Band, von der man in Zukunft viel reden wird. Follow the Trail of Dead!!!

(Text: Pete Sieveking, Radio Q 90.9, Münster)

BAND: www.trailofdead.com / LABEL: www.interscope.com

Anspieltipps

  • MO: It was there when I saw you (Track 2)
  • DI: How near how far (Track 6)
  • MI: Heart in the hand of matter (Track 8)
  • DO: Days of being wild (Track 10)
  • FR: Relative ways (Track 11)

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