Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 41/2008

Albumcover

Tomte
Heureka

Man sagt ja, wir leben im Land der Dichter und Denker. Was allerdings bei den alltäglichen Diskussionen in und um Politik und Wirtschaft (und erst recht beim weichgespülten Talkshow- und Castingbrei) regelmäßig deutlich bezweifelt werden darf. Was ist die Lösung? Völlig resignieren? Nur noch auf die Apokalypse warten? Lieber nicht, denn ab und zu kommt dann doch wieder ein lichter Moment um die Ecke. Oder, wie in dieser Woche, das neue Album von Tomte: "Heureka!".

Dreißig Tage Studioarbeit sind nicht eben viel für einen Longplayer. Länger haben Thees Uhlmann und Bandkollegen zum Einspielen ihrer fünften Platte nicht gebraucht. Klingt nach Routine? Gut möglich, nur bedeutet das in diesem Fall eben nicht, dass die Band mit dem Weichspüler gearbeitet hat. Im Gegenteil, Tomte klingen auf ihrem aktuellen Album wieder etwas rauer als auf den vorigen zwei Platten. Und sie beweisen dabei, dass sie beide Spielarten beherrschen: mal etwas rockigere, dann auch wieder ruhigere und sanftere Töne. Aus dieser Mischung ergibt sich hier ein durchaus gelungenes Endprodukt, das zudem auch sehr gut ohne die Skip-Taste funktioniert.

Sicherlich geht es gleich zu Beginn der Platte ein bisschen mehr zur Sache, bevor die Klänge der zweiten Hälfte dann doch deutlich gedämpfter werden. Trotzdem ist das Gesamtbild stimmig - und wer bei den ruhigeren Stücken Kitsch wittert, ist möglicherweise gut damit beraten, etwas genauer auf die Texte zu achten, mit denen Thees Uhlmann das vermeintliche Klischee dann doch wieder zu brechen weiß. In "Es Ist So, Dass Du Fehlst" heißt es beispielsweise: "Du bist das Beil; ich bin der Wald; hier hat noch jeder, jeder gezahlt". Eine Analyse sämtlicher Liedtexte bleibt an dieser Stelle freilich aus, ist aber auch nicht nötig für die Erkenntnis, dass Tomtes Songs zwar auch rein musikalisch Spaß machen können, sich aber erst durch die überlegten Texte Uhlmanns die ganze Stärke der Band entfaltet.

Insgesamt ist "Heureka" ein Album mit postiver Ausstrahlung. Das gilt gerade für Songs wie die Vorabsingle "Der Letzte Große Wal". Nachdenkliche Töne gibt es allerdings auch, und gerade die sind auf Tomtes Album ziemlich interessant. "Wie Sieht´s Aus In Hamburg" etwa kann man getrost als Höhepunkt des Albums bezeichnen, wo gefragt wird: "Wer ist pleite; wer ist fertig; und wer hat es ans Ufer geschafft?" - nur um danach zu fordern: "Halte durch!".

Apropos durchhalten: Das erste Album von Tomte erschien vor ziemlich genau zehn Jahren; man kann der Band ruhig unterstellen, dass sie diesen Geburtstag wenigstens insgeheim ein wenig feiert. Außerdem dürfen wir hoffen, dass Tomte ohnehin noch lange durchhalten. Und wenn sie weiterhin so überzeugen können wie mit "Heureka", sollte das auch kein Problem sein. (Florian Hesse, Triquency)

VÖ 10.10.2008

Band: http://www.tomte.de | Label: http://www.ghvc.de

Anspieltipps

  • Der Letzte Große Wal, 03
  • Küss Mich Wach, Gloria, 06
  • Dein Herz Sei Wild, 12
  • Wie Sieht´s Aus In Hamburg, 04
  • Heureka, 01

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