Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 28/2004

Albumcover

They Might Be Giants
The Spine

22 Jahre sind "They Might Be Giants" mittlerweile in der musikalischen Öffentlichkeit aktiv und trotzdem entwickeln sie sich von Album zu Album weiter, entdecken neue musikalische Vorlieben und machen damit ihre Fangemeinde immer wieder aufs Neue glücklich. So auch in diesem Jahr. Nach dreijähriger Schaffenspause erwartet uns mit "The Spine" nicht nur das zehnte Studioalbum, sondern eine Ansammlung von insgesamt 16 Perlen, die bereits beim ersten Anhören die schlichtweg gigantischen Songwriter-Qualitäten von John Linnel und John Flansburgh zur vollen Geltung bringen.

Verspielt und einfach nur schön schaffen die harmonischen Popsongs eine sommerliche Atmosphäre, während die rockigeren Nummern auch gut in einen Tarantino-Streifen passen könnten. Eintönigkeit ist nun mal nicht ihr Ding und so ermöglichen die beiden perfektionistischen Tüftler einen Ritt durch 40 Jahre Musikgeschichte, ohne einfach plump zu kopieren.

Eklektizismus trifft es am besten, obwohl mir die Definition aus dem Fremdwörterlexikon in diesem Zusammenhang als viel zu negativ erscheint. [Eklektiker: m, griech. Auswähler, jemand, der nicht schöpferisch ist, sondern aus Vorhandenem auswählt und zusammenstellt]. Denn Kreativlosigkeit kann man TMBG nun wirklich nicht vorwerfen. Wer sich näher mit den Texten auseinandersetzt, merkt schnell, was für einen spitzfindigen Humor die Jungs auf ihren Alben vertreten. Zwei Nerds, die sich auf dem College nie richtig dazugehörig fühlten, sich mit Instrumenten und Samplern auf ihren Zimmern verschanzten und nach dem Abschluß 1981 direkt nach New York zogen, um sich dort voll und ganz der Musik widmen zu können. Ihren Namen entliehen sie kurzerhand einem Film von George C. Scott und so zogen sie als Duo mit Drumcomputer durch die Underground-Clubs der Stadt.

Die Fangemeinde, fasziniert vom avantgardistischen Post-Punk-Ansatz, wuchs rasant an, nur die Plattenfirmen konnten sich nicht so recht für das genreübergreifende Schaffen der Beiden begeistern. Erst 1990 lösten sie sich von ihrem Indie-Status und unterschrieben den ersten Vertrag bei einem Major-Label, was der musikalischen Vielfältigkeit aber keinen Abbruch tat.

Ihren Untergrundstatus haben sie zumindest in Deutschland behalten. Vielleicht ändert sich das mit dem neuen Album, vielleicht schaffen es die ungewohnt liebevoll arrangierten Songs, zu unseren vom Verse-Chorus-Verse-Einheitsbrei mehr oder weniger abgestumpften Ohren durchzudringen. Wünschenswert wäre es den Möchtegern-Giganten auf jeden Fall.
(Dominik Jozic, hochschulradio düsseldorf)

Artist: www.tmbg.com
Label: www.cookingvinyl.com

Anspieltipps

  • Experimental Film (Track 01) / erste Singleauskopplung
  • Prevenge (Track 05)
  • Thunderbird (Track 06)
  • It´s Kickin´ In (Track 10)
  • Broke In Two (Track 14)

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