Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 12/2014

Cover: The War On Drugs - Lost In The Dream

The War On Drugs
Lost In The Dream

Böse Zungen könnten diese Songs Altherrenmusik nennen. Und im Grunde ist da auch eine Menge dran: The War On Drugs aus Philadelphia spielen auf ihrem dritten Album "Lost In The Dream" (erneut) straighten Americana-Rock. Doch machen sie das eben so gut, dass man ganz ohne Streitsucht erwidern kann: ja, Altherrenrock, aber wo ist das Problem?

Um Kurt Vile trauert die Band um Adam Granduciel schon längst nicht mehr. Auch der Vorgänger "Slave Ambient" überzeugte bereits. Nun wagt das Quartett noch mehr Länge und Tiefe. Zum Glück: der 9-minütige Opener suhlt sich in nebulösen Shoegaze-Wolken, kommt aber mit glasklarer Klaviermelodie und präsentiert einen stimmlich einfühlsamen Granduciel, auf den der Boss stolz sein könnte. Die schon oft eingeworfenen Referenzen zu den Giganten Dylan und Springsteen sind absolut plausibel. 

Das macht die euphorisch treibende Single "Red Eyes" klar, bei der man nichts von einer Krise spürt, in der sich Granduciel nach der letzten Tour eine Phase lang befunden haben soll. Aber auch das schwelgerische "Suffering" mit seinem eingeschlafenen Schlagzeug, säuselnden Gitarren und einem leicht angeschwippsten Piano, klingen nach den US-Klassikern. Dabei aber eben nie nach Epigonie. Denn genauso hat das sicher noch keine Jukebox in den Staaten ausgespuckt.

Man kann sich diese Americana-Riffs in der weiten Prärie vorstellen. Sie inszenieren einsame Gestalten in melancholischer Tristesse, die sich durchkämpfen, sich im Mitternachtsregen Fragen wie diese hier stellen: "Can I be more than just a fool?","How can I be free?" und "How can I surround myself in time and time again?" Zumindest stellt sie Granduciel sie sich in "An ocean in between the waves", schwebend auf ausufernden Gitarren-Soli.

Antworten darauf findet die Platte nicht, dafür ist sie trotz gelegentlicher Endorphinschübe noch zu unaufdringlich und verwaschen geraten. Sie inszeniert eine Atmosphäre, in der man aber selbst zu verwirrend großer Klarheit kommen kann. Sie schafft eine Stimmung, in der man sich paradoxerweise gerade dadurch näher kommt, indem man sich im Sog des Sounds auflöst, verflüssigt, letzen Endes verschwindet. "Disappearing" probiert genau das mit seiner mäandernden Wave-Stilistik, in der nicht nur eine Mundharmonika, sondern auch der Gesang langsam verfließen. Und auch in "The Reverse" weiß selbst der aufmerksame Hörer nicht genau, ob das nun die Wellen der Ostküste oder das Rauschen der auf viel Hall gestellten Gitarren-Verstärkersind.

Doch die Mundharmonika taucht kurz vor Schluss noch einmal auf. Und zwar im Titeltrack, in dem es dann heißt: "Lost In a dream, but just the silence of a moment" - keine Frage: der Topos des Moments ist hier recht zentral angelegt. Die Band schafft es, melodisch stets auf hohem Niveau, den Songs eine innere Ruhe und Erhabenheit einzuhauchen, ohne dabei die Spielfreude zu zähmen.The War on Drugs legen mit dieser träumerischen Platte gleichzeitig auch ihre souveränste vor. "Lost In The Dream" erzwingt nichts und schafft doch alles, was zählt: bewegend große Songs, die bleiben könnten. (Philipp Kressmann, CT das radio)

Anspieltipps

Red Eyes, #2
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Burning, #8
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Lost In The Dream, #9
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Suffering, #3
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Eyes To The Wind, #6
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