Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 13/2011

Albumcover

The Strokes
Angles

An den vierten Langspieler „Angles“ von The Strokes wird wohl kaum jemand komplett unvoreingenommen rangegangen sein. Jeder hat die Band irgendwie mitbekommen und kann gewisse Assoziationen mit den Luxus-Rotzbengeln aus NYC vorweisen. Als Fan der ersten Stunde war ich jemand, der nie etwas auf die New Yorker Jungs hat kommen lassen. Jedoch schwand in letzter Zeit mein Glaube an die alten Zeiten. Ich habe mich gefragt, was nach guten fünf Jahren Pause und den fabelhaften ersten fünf Jahren in der Karriere noch groß kommen könne - wohl der ganz große Knall, oder das Ende.

Im Februar präsentierten die Strokes bereits ihre erste Singleauskopplung „Under Cover Of The Darkness“. Ein erstes Hineinhören verschaffte ein Gefühl der mittelmäßigen Zufriedenheit, aber nicht gerade große Euphorie. Ich wollte mir auch nicht eingestehen, dass die große Hoffnung der Musikwelt seit den Nullerjahren in Mittelmäßigkeit untertaucht. Jugendlicher Leichtsinn? Damit konnte ich mich nicht einfach zufriedengeben. Eingestehen muss man aber inzwischen, dass die Strokes nicht das Talent haben, etwas völlig Neues zu erschaffen. Jedoch verstehen sie es, sich treu zu bleiben. Das dritte Album, „First Impressions Of Earth“, war ein Versuch, einmal anders zu sein, was ihnen selbst im Nachhinein auch nicht gefiel: die stets verwöhnten Indieboys, die eher unbewusst ein weltweites Garage-Rock-Revival losgetreten hatten, standen unter immensen Druck: die Welt wartete auf einen weiteren Sturm, der ähnlich wie ihr Debüt „Is This It“ alles fortwehte, was man bis dahin kannte - der blieb bekanntlich aus.
 
Zehn Songs blicken nun auf die letzten zehn Jahre ihres Werdegangs. Mit „Machu Picchu“, dem ersten Song auf "Angles", setzen sie das erste Statement ihrer Geradlinigkeit unter Beweis: „I'm putting your patience to the test“, heißt es in der allerersten Zeile, die man auf dem Album zu hören bekommt, untermalt von einem freundlichen Shuffle. Und geduldig sollte man schon etwas sein, denn man braucht schon einige Male, um sich wirklich in das Album reinzuhören. Etwas bemüht versuchen sie, ihr musikalisches Spektrum zu erweitern, verschiedene Elemente wie Reggae oder Elektronisches dezent in den typischen Strokes-Sound mit einfließen zu lassen. Der Refrain zu „Under Cover Of The Darkness“ wirkt schon fast wie ein "bildliches Revue-passieren-lassen". Durchweg es ist vor allem dieser 80s-Trash Flow, welcher dem Hörer sofort im Gedächtnis bleibt. "Angles" beweist sich dabei als weitaus durchdachter und dynamischer als sein Vorgänger. "Last Nites" und "Repetilias" gibt es weniger, dafür etwas was man weiter tragen kann, als auf die Tanzfläche und zurück. Stücke wie „Gratisfaction“ oder „Taken For A Fool“ zeigen, was die Strokes damals und heute ausmacht: Einen einfach gehaltenen Retrosound, der im Ohr bleibt. Eine kurze Melodie, ein schnelles Vergnügen.
 
Macht man die Augen zu, kann es bei Songs wie „Games“ dazu kommen, dass man sich dank Atari-Klängen in den Achzigern wiederfindet, oder die Assoziation mit Action-Trash in der Michael-Dudikoff-Klasse nicht fern bleibt. Allerdings wirken diese Schwanker in keinster Weise übertrieben, und bringen den Songs den gewissen Charme, den Strokes-Songs grundsätzlich innehaben. Die Band braucht aber auch kein "Sex On Fire", um sich in die Gunst der Hörer einzuschleichen, letztlich polarisiert „Angles“ auch so: Es ist eben das eine weitere Album in der Diskographie und keine Revolution. The Strokes folgen der klaren Linie, sich nicht zu verbiegen. (Christoph Hoffmann, CT das radio)
 
VÖ: bereits erschienen  

Links: AlbumstreamBand

 

Anspieltipps

Taken For A Fool, # 5
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Machu Picchu, #1
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Two Kinds Of Happiness, #3
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Games, #6
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Gratisfaction, #8
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