Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 51/2008

Albumcover

Ten Kens
Ten Kens

Eine Waldlichtung. Ein Hirsch ist da, ein Mädchen auch, ein Vöglein fliegt umher. Schöne, heile Welt. Das schwarzhaarige Mädchen in dem roten Kleid teilt sich mit ihrem Freund, dem Hirsch, friedlich einen Hot Dog. Nichts scheint diese Idylle stören zu können. Doch dann: Ein Bär taucht auf und zerstört die heimelige Atmosphäre. Der Hirsch röhrt, das Mädchen kreischt, das gute Essen fliegt durch die Luft. Blut spritzt in die Kamera. Die Schwarzhaarige erfüllt ihren Part des hilflosen Fräuleins sehr gut, der Bär seinen des furchterregenden Monsters ebenfalls.

Wer wissen will, warum das Vöglein auch noch draufgeht, wer das daraufhin stattfindende Karambolage-Autorennen gewinnt und was in aller Welt die weibliche Hauptrolle auf einmal mit dem Toast vorhat, sollte sich den Clip zum Song "Bearfight" von den Ten Kens ansehen. Aber bitte nicht, wenn die kleine Schwester daneben sitzt. Was anmutet wie ein Alptraum von Walt Disney höchstpersönlich ist das Video zum Opener auf dem Debütalbum der Ten Kens aus Kanada.

Toronto also. Die Hauptstadt eines Landes, in dem es tatsächlich noch echte wilde Bären gibt. Aber raue Natur hindert die Ten Kens nicht an Diplomatie: Ihren Erstling haben sie brav nach sich selbst benannt - immerhin entsteht so kein Streit über einen unpassenden Titel. Und apropos Titel: Wenigstens bei einem Song in der Trackliste macht sich dann doch anfängliche Verwunderung breit - "The Alternate Biker". Sollte sich im schmucken CD-Case etwa ein Easy-Rider-Soundtrack verbergen?

Weit gefehlt. Abgesehen von diesem einem Stück, das tatsächlich ein wenig "On-The-Road-Again-Feeling" aufkommen lässt, hat das Album wenig mit Musik aus einer Bikerkneipe zu tun. Den geneigten Zuhörer erwarten eher instrumentallastige Songs mit immer wieder cholerisch einsetzendem Gesang, der selbst Drama-Queen Bruce Darnell zu Freudentränen rühren würde. Sänger Dan Workman nutzt jeden Part, den er kriegen kann, um die von Gitarrist Dean Tzenos, Schlagzeuger Ryan Roantree und Bassist Lee Stringle erzeugte Musik mit gefühlvollen "Ahhaaaas" und "Uhuuuus" zu füllen. An Klanggewalt mangelt es den Ten Kens somit tatsächlich nicht - wobei die immer mit Reverb-Effekten hinterlegte Stimme des Sängers schon einmal die Frage aufkommen lässt, wie das wohl klingen würde, wenn er einfach mal trocken ins Mikro singen würde.

In eine Schublade stecken lässt sich die Band nur schwer. Die Konfinität zur Populärmusik ist zwar gegeben, allerdings geht die Musik der Ten Kens dann doch eher in Richtung Rock, Ecke Independent. Wem es gelingt, die Platte in seiner streng nach Musikrichtung sortierten Sammlung einzuordnen, dürfte somit einigermaßen schmerzfrei sein - sollte dann aber neben der CD im Regal wenigstens etwas Platz lassen. Bei einer Band wie den Ten Kens ist ein Album-Nachfolger nämlich so gut wie sicher. Nur über die (nicht) jugendfreien Videoclips zu den Songs müsste man dann noch mal verhandeln... (Simone Snyders, CampusFM)

VÖ: 15.09.2008

Künstler: http://www.tenkens.com | Label: http://fat-cat.co.uk/fatcat

Anspieltipps

  • Downcome Home, 02
  • Bearfight, 01
  • Y´all Come Back Now, 04
  • I Hope You Get To Retire, 11
  • Prodigal Sum, 07

Hier könnt Ihr Ten Kens: Ten Kens - Silberling der Woche 51/2008 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar