Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 48/2005

Albumcover

System Of A Down
Hypnotize

Dass System of a Down ihren kreativen Output kaum zu zügeln wissen ist nicht nur an ihren Kompositionen abzulesen. So wie die Faszination ihrer Songs nicht selten aus dem Umstand geboren wird, mindestens zehn mehr oder weniger populäre Spielarten von Musik miteinander verschnüren zu müssen, scheint auch die Veröffentlichungspolitik der Band unter dem Motto "Ganz oder gar nicht" zu stehen. So folgte dem 2002 veröffentlichten zweiten Album "Toxicity" nur wenige Monate später ein aus derselben Aufnahmesession hervorgegangenes weiteres Werk namens "Steal this Album". Leider konnte ich mich der Meinung der Musiker, dieses eigentlich bereits den unbarmherzigen Auswahlprozessen des Vorgängers anheim gefallene Material habe unbedingt auch noch veröffentlicht werden müssen, nur bedingt anschließen, da ein signifikanter Unterschied in der Qualität der Songs nicht zu verleugnen war.

Etwas Skepsis war also angebracht, als es vor ca. einem Jahr in der Gerüchteküche zu brodeln begann. Von einem Doppelabum war da die Rede, bzw. von zwei Alben aus einer Session, die unser aller Jazzmetal-Lieblinge aus Los Angeles auf den Markt bringen würden, und einen die bange Frage beschlich, ob es nicht auch diesmal vielleicht besser gewesen wäre, Klasse der Masse vorzuziehen. Als im Frühjahr des Jahres dann mit "Mezmerize" der erste Teil der Saga erschien, musste man eingestehen, dass hier von irgendwie geartetem Mittelmaß nicht die Rede sein konnte. System of a Down lieferten einen ebenso kantigen wie anschmiegsamen Brocken ab, der nicht von wenigen als bisheriges Meisterwerk gefeiert wurde. Blieb also noch die Angst vorm Morgen danach und dem unausweichlichen Nachfolger. Dieser liegt nun mit "Hypnotize" vor, und es kann Entwarnung gegeben werden: Nichts ist zu spüren von irgendwelchen Lückenfüllern, von überflüssigem Aufwärmen unausgegorener Ideen oder gar von Geldschneiderei mit zweitklassigem Material. Vielmehr liefern System of a Down mit diesem Album die bis dato wohl rundeste Synthetisierung ihres aus nicht eben wenigen Ingredenzien bestehenden musikalischen Kosmos ab.

Auf der einen Seite fallen jedem Hörer, der mit dem Gesamtwerkes dieser Band vertraut ist, Remineszenzen an die Anfangstage und das Debutalbum "System of a Down" auf, wenn bei Songs wie "Vicinity of Obscenity" in nicht einmal drei Minuten Noise, Metal, Funk und Polka durch den Wolf gedreht werden und Sänger Serj Tankian vom schmeichelnden Tenor bis zur kreischenden Furie jede Rolle seines schier unerschöpflichen Repertoirs gibt. Daneben stehen aber auch Singleaspiranten wie "Tentative", dessen nachvornpreschende Strophen von einem jener wahrhaft hymnischen Refrains kontakariert werden, die seit dem zweiten Album mehr und mehr zum Markenzeichen der Band geworden sind. Man muss sich solche Stücke nur einmal nacheinander zu Gemüte führen um sich zu vergegenwärtigen, welche Extreme diese Band auszuloten in der Lage ist, ohne auch nur einmal in die Gefahr zu geraten, ansatzweise in irgendein Mittelmaß abzudriften. Auf "Hypnotize" stehen der wohldosierte Wahsinn der Anfangstage ("Vicinity of Obscenity", "Stealing Society"), die monumetal arrangierte Metaloper ("Hypnotize", "Holy Mountains") und alles, was irgendwann mal dazwischen lag, in vielleicht nicht friedlicher, aber doch überraschend geschlossen wirkender Eintracht nebeneinander.

System of a Down sind den Weg, den sie seit ihrem selbstbetitelten Debut eingeschlagen hatten, bis zu diesem Album konsequent weitergegangen. Haben trotz zunehmender Integration melodiöser Elemente und nachvollziehbarer Strukturen niemals die nötige Portion pathologischen Irrsinns verloren. Sie sind zugänglicher geworden ohne langweilig zu werden, haben an breitentauglicher Harmonie gewonnen ohne etwas von ihrer herausfordernden Explosivität einzubüßen, die immer die Fanszination dieser Band ausgemacht hat. Zwar sind sie mit diesem Album endgültig im ganz großen Business angekommen, aber vom kreativen Potential dieser Band, die auch dieses Album allen Unkerufen zum Trotz zu einem wirklichen Ohrenschmaus hat werden lassen, kann sich so mache Combo noch das ein oder andere Stück abschneiden. (Hilmar Duin, Radio Q)

Künstler: www.systemofadown.com | Label: www.columbiarecords.com

Anspieltipps

  • Hypnotize, #4
  • Attack, #1
  • Tentative, #6
  • Dreaming, #2
  • Soldier Side, #12

Hier könnt Ihr System Of A Down: Hypnotize - Silberling der Woche 48/2005 sofort bestellen: amazon.de

Archiv aller Silberlinge

radiobar