Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2014

Cover: Supreme Cuts - Divine Ecstasy

Supreme Cuts
Divine Ecstasy

Schon einzelne Songtitel auf "Divine Ecytasy" von den Supreme Cuts ( "Peak Experience" oder auch "Brown Flowers" – vom Albumtitel mal ganz abgesehen) suggerieren, es könnte sich um bestimmte Substanzen handeln. Mike Perry, neben Austin Kjeultes einer der zwei Köpfe des Produzenten-Teams aus Chicago, meint dazu, dass das ganze Album gleich auf drei Ebenen rezipiert werden könnte. Dafür sorge auch das transzendente Songwriting. Nach mehreren Einnahmen von "Divine Ecstasy" ist man wirklich der Ansicht, das Bewusstsein hätte sich ein wenig erweitert. Oder zumindest verschoben.

Denn typische House-Konturen sucht man hier vergeblich. Das liegt aber nicht nur an den Gesangs-Features, die für mehr Song- als Trackstruktur sorgen, sondern an einer vernebelten Gesamtatmosphäre. Hier ist keinesfalls die Art von Chicago-House vernehmbar, die bei Disclosure den Unterbau ausmacht. Zwar hagelt es auch oft Beats, aber nicht straight tanzflächenorientierte, sondern verschachtelte und experimenteller Natur. Das Paar flirtet hier nicht nur im traumwandlerischen Titeltrack mit subversiven Dubstep-Momenten, sondern ebenso mit Chillhouse- und betäubenden Dreampop-Tendenzen. Kompositionen, die mit dem konventionellen Hörerlebnis brechen und doch extrem einfühlsam arrangiert sind.
 
Von (diversen) Gastauftritten ganz zu schweigen. Channy Leaneagh´s Stimme schlängelt sich auf dem polyrhythmischen Stil-Medley (episch hört sich in dieser Hinsicht auch "It´s like that" an) "Envision" immer höher und hörte sich auch bei Poliça selten so stimmungsreich an. Für "Cocktails" wurde zudem der Soulsänger Shy Girls arrangiert. Betörender R´n´B auf einer Wolke von Streicher-Samples, seichten Claps und verhallten Synthie-Hooks. Auf "Gone" (und auch "Brown Flowers") schellt die Soulstimme von Mahaut Mondino in die Höhe, begleitet von blubbernden Dub-Beats und einem Saxophon in bester (Free-) Jazz-Tradition. 

Dass das Gespann es dann auch noch hinkriegt, sphärischen Trap auf "Down" (gefeatured werden die Rapper GTW, Khallee und David Ashley) zu zimmern, spricht umso mehr für die musikalische Bandbreite. Umso bewundernswerter, dass das Album trotz dieses weiten Klangspektrums, recht rund wirkt. Das mag eventuell auch an den gewieft eingeschobenen und verträumt inszenierten Interludes wirken, die immer eine leise Ahnung aufkommen lassen, wie es hätte weitergehen können. Diese Fragmente dienen sozusagen als missing link zwischen den Trips. Fast schon behutsam wirkt da etwa auch das Outro mit seinen Spoken Words. "All good and bad things will come to an end. Friends become strangers, strangers become friends." Und dann heißt es ganz nüchtern: "I just wanna say, when you´re sad, don´t forget to smile, life never means to upset you." Am Ende befindet man sich also doch wieder im "down-to-earth"-Modus. Und selbst der klingt bei den Supreme Cuts verdammt gut. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

Divine Ecstasy, #6
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Gone, #3
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Envision, #5
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Down, #8
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Cocktails, #2
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