Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 30/2003

Albumcover

Super Furry Animals
Phantom Power

Es gibt ja Bands, denen es eine regelrechte Freude bereitet, mit den Erwartungen ihrer Fans zu spielen. Gerade solche, die sich mit jeder Platte weiterentwickeln und sich zur gleichen Zeit neu erfinden. Spontan denken viele an Radiohead und Beck. Und einige an die walisischen Super Furry Animals.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger "Rings around the World" haben die Waliser ihre elektronischen Einflüsse auf ein Minimum zurückgeschraubt. Vorbei sind die Vocoder-Pop-Zeiten à la "Juxtaposed with U" oder ihre Beach Boys-Huldigung "(Drawing) Rings around the World" Akustischer sind sie geworden, frei nach dem Motto "back to the basics", böse Zungen würden sogar die Musik der Furries countrylastig nennen. Vielleicht gar nicht so abwegig, denn in drei Tracks kommt eine Pedal Steel Guitar (die Instrumente, die diese Wräääähhhigggg-Geräusche im Country erzeugen) zum Einsatz.

Spielerisch sind die superkuscheligen Tierchen allemal geblieben. Nicht nur im musikalischen Sinne, denn wer würde sonst auf die Idee kommen, ein Lied einem Hund zu widmen ("Golden Retriever") oder nach zwei Tennisdamen ("Venus and Serena") zu benennen? Trotzdem bleibt das lyrische Spektrum ernst. Genau wie ihre Inselkollegen Radiohead greifen sie im Titel thematisch den Irak-Krieg auf. Passagen wie "men wrapped in tarnished flags, banners and bodybags", zeigen ein fast schon düsteres Bild unserer Zukunft dank der Weltpolizei. Und dazu musikalisch untermalt mit zuckersüßen Harmonien der sechziger Jahre, dazu Gruff Rhys warmer Gesang...ach, im Pop ist alles erlaubt.

Die Tracks auf "Phantom Power sind experimentell, ohne Frage. Not everybody´s cup of tea. Wie denn auch, "Phantom Power" lebt von seinen ständigen Wechseln in Sachen Musikstil, Stimmung und Tonarten. Track 5 beispielsweise, "The Piccolo Snare" beginnt schwermütig und düster bevor er von Moll ins Dur förmlich explodiert um dann wieder krautrockartig schrammelig zu werden. "Out of Control" rockt streng in bester Stooges-Manier, ohne jedoch an schwerer Furries-Melodie zu verlieren. Gegen Ende driften die Super Furry Animals wieder ins elektronische: der letzte Track "Slow Life" verwirrt auf ein neues

Beim ersten Hinhören mag "Phantom Power" viele verwirren und/oder verschrecken. Auf jeden Fall ein Album, das Zeit und genaues Hinhören verlangt. Nach und nach fängt es an, Charme und Magie zu entfalten. Kleine elektronische Spielereien necken den Hörer, kitschige Passagen machen auf einmal Spass. Selbst eine Pedal Steel Guitar.

(Text: Pete Seveking, Radio Q, Münster)

KÜNSTER: www.superfurry.com (offizielle Seite)

ALBUM: www.phantom-power.com (Seite zum Album)

LABEL: www.sonymusic.co.uk

Anspieltipps

  • Golden Retriever Track 3 (die erste Single)
  • Bleed Forever Track 8
  • Out of Control, Track 11
  • Venus and Serena, Track 6
  • Sex, War and Robots, Track 4

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