Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 29/2003

Albumcover

Spillsbury
Raus

Als Nena in den 80ern in Streifenhose und mit buntem Plastikgehänge am Ohr "Nur geträumt" trällerte, hörte sich das schlicht aber extrem frisch an. Zwanzig Jahre später: Spillsbury debütieren mit "Raus" - der Sound klingt verdächtig nach Nena (die Ursprüngliche) und irgendwie klingt er extrem frisch - NDW (es soll Menschen geben, die nicht wissen, dass das einst für Neue Deutsche Welle stand) at it´s best!

Was war geschehen? Die einzig (un)logische Erklärung: es muss sich wie damals bei "Dallas" zugetragen haben: Bobby wacht auf und stellt fest, fast 50 Folgen lang hat er "nur geträumt" - seine Frau lebt, sie sieht nur anders aus (alte Rolle, neue Schauspielerin oder: alter Wein in neuen Schläuchen). Also: nix versäumt - es geht weiter! Die neue Nena heißt Zoe Meißner. Sie brüllt ihre Texte mit einem Anschein von Wut und Rotz - in den Credits aber im Booklet dankt sie artig "Mama und Papa".

Und wie damals Nena ist Zoe nicht allein. Um sie herum: Wir Sind Helden, Mia, Paula und und und. Das mir jetzt bloß nicht wie damals ein Glaubenskrieg ausbricht zwischen denen, die auf die Underground-Bands der ersten NDW-Retro-Stunde abfahren und denen, die auf die neuen Pop-Perlen des längst fahrenden Zugs schwören. Das wäre ja so wie in den 80ern "Nena" gegen "Ideal". War damals schon ziemlich daneben!

Spillsbury kommen aus Hambur und neben Zoe gehört Tobias Asche noch dazu. Tobias erhebt zwar an einigen Stellen auch seine Stimme, ist aber haptsächlich für die Instrumente zuständig (Sythies und Bass). "Raus" - das Album ist eine einzige rockende und poppende Party - exakt 44 Minuten und 44 Sekunden lang. Knapp, griffig und zickig auf den Punkt sind die Texte. Schon beim Opener der Platte steigt die Laune blitzschnell auf Hundert. Und genau so geht es bis zum Ende weiter. Der Info-Text der Plattenfirma empfiehlt die Platte zu hören, wie man ein Punk-Album hört, auch wenn gleichzeitig von "Spillsbury" als elektronischer Band gesprochen wird. Zitat: "Punkrock ist immer (erstens) vorlaut und (zweitens) weise, auch wenn er mit der Zeichensprache des elektronischen Pop operiert." Das nimmt Bezug auf Textzeilen wie "Jeder kriegt den Scheiß, den er verdient" und "Ich will kein´ Kaffee, nur noch Bier". Und ohne Scheiß: die Platte könnte durchaus Leuten aus beiden Lagern gefallen. Produziert hat die Platte übrigens Chris von Rautenkranz, der Hausproduzent des Labels, der sich sonst gerne der reinen und originalen "Hamburger Schule" widmet.

"Pause, Rücklauf, Stopp, nochmal von vorn." (Textzeile aus "Zwei Sekunden") - Genau !! das mache ich jetzt auch !!! "Was bleibt am Ende übrig, wenn das Lied der Stille weicht? - 2 Sekunden Ewigkeit." (auch aus "Zwei Sekunden"). Weiß eigentlich noch jemand von Euch, was in den 90ern so war? Oder hab ich das alles ganz allein geträumt?

(Text: Christian Schön, eldoradio 93.0)

KÜNSTLER: www.spillsbury.de / LABEL: www.lado.de

Anspieltipps

  • Zwei Sekunden, Track 1
  • Raus, Track 2
  • Kurz vor Vier, Track 4
  • Ruhestörung, Track 10
  • Jona, Track 5

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