Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 24/2009

Albumcover

Sonic Youth
The Eternal

Was ist eine Legende im Musikbereich? Wahrscheinlich eine Band, die bereits seit 28 Jahren im Geschäft ist und deren neues Album immer noch die Fans von damals und heute faszinieren kann. Wie bei Sonic Youth. Dabei sind die Amerikaner, anders als Bands die sich eher rar machen, fleißige Arbeitstiere. Sechzehn Alben in 28 Jahren sprechen für konstantes Output. Dabei wurde die Boulevardpresse eigentlich immer von der Band enttäuscht, da sie stets lediglich mit ihrer Musik auf sich aufmerksam machen wollten, nicht durch Skandale und Eskapaden jenseits der Bühne. Die Aufmerksamkeit dürfte der Band auch mit ihrem neuesten Werk“ The Eternal“ zuteil werden. Nach langen Jahren auf einem Majorlabel markiert dieses Album die Rückkehr zu einem Indielabel, der schon lange gefühlten Heimat. Der Weg zurück aus den auf Erfolg ausgerichteten Fängen Universals hin zu Matador Records sollte der Band endlich wieder ihre künstlerische Freiheit und ihren Spaß an der Musik zurückbringen.

Ob dies gelungen ist, wäre jetzt die nächste wichtige Frage, die es zu beantworten gilt. Ähnlich wie die Musik von Sonic Youth ist auch die Antwort darauf nicht simpel. Ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ würde dem Album nicht gerecht werden. Das Album nimmt gewollt einen musikalischen Mittelweg. Auf der einen Seite gibt es Songs, die einfach nur gradlinig nach vorne rocken. Ohne wenn und aber werden in diesen Songs, wie dem Opener „Sacred Trickster“, die Gitarrenseiten strapaziert – und Kim Gordon singt bisweilen dabei nicht ganz so schräg, wie noch auf den Vorgängern. Dann gibt es wiederum Songs, in denen die Band ihre Vorliebe fürs Experimentelle und das Besondere zum Ausdruck bringt, was durchaus zu langen Gitarrenfrickeleien führen kann („Poison Arrow“). Brüche, Gitarrenspielereien und unerwartete Songstrukturen treffen auf harmonische Melodien. Bei allem spröden Charme ist „The Eternal“ somit Album, das nicht leicht zu kategorisieren ist.

Vielleicht liegt gerade in diesen Gegensätzen der Reiz des Albums. Obwohl die Unterschiede in der Songkonzeption klar zu hören sind, wirkt das Album nicht gegensätzlich. Vielmehr ist es Sonic Youth gelungen, die verschiedenen Elemente (Noise-Rock, Progressiv-Elemente, Pop-Rock-Strukturen) zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen. Anders als bei vorherigen Werken sind Melodien und Refrains diesmal klar erkennbar und fügen sich so als weiteres prägnantes Merkmal in das Gesamtkonzept der Platte ein. Dieses Gesamtkonzept spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass keiner der Songs klar heraussticht. Vielmehr hat jeder der zwölf Tracks seine Besonderheiten, die ihn zu einem künstlerisch wertvollen Teil des Gesamtalbums macht.

Sicherlich werden Sonic Youth gerade in der eher mainstreamorientierten Welt der Musik mit ihrem neuen Album „The Eternal“ abermals ein bisschen im Schatten der Öffentlichkeit zu finden sein – Fans feiern diese Rückkehr zu den Wurzeln aber jetzt schon. Die Songs sind nun mal nicht sofort zugänglich. Vielmehr erfordern sie genaues Hinhören und die Liebe fürs musikalische Detail, um ihre vollständige Wirkung zu entfalten. Mal schrammelig, mal lakonisch werden die prototypischen Indierocksongs dargeboten. Wenn man jedoch zu diesem Schritt bereit ist, dann entführt „The Eternal“ einen auf ein musikalisches Abenteuer, ohne Zwänge und Grenzen, bei dem nur die Leidenschaft für die Musik zum prägnanten Antrieb wird. (Michael Savic, CT das radio)

VÖ: 05.06.2009

Band: http://www.sonicyouth.com | Label: http://www.matadorrecords.com

Anspieltipps

  • Sacred Trickster, Track 01
  • Posion Arrow, Track 7
  • Thunderclap for Bobby Pyn, Track 9
  • Calming The Snake, Track 6
  • No Way, Track 10

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