Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2002

Albumcover

Sneaker Pimps
Bloodsport

Die Geschichte der sneakerpimps ist eigentlich ziemlich traurig.
Am Anfang war alles noch super. Vier Jungs und ein Mädel aus England veröffentlichten 1996 ihr Debutalbum „becoming x“. Die Menschen waren begeistert, und mit ihrer Single „six underground“ hatten sie sogar einen top 10 hit in England. Dann beschloß die Band eine US-Tour zu machen, und das war leider das Ende des schönen Traums. Nach einer nervenaufreibenden Tour, in der die Band in schäbigen kleinen Bars eher mäßigen Applaus erntete und sogar mit Morddrohungen belästigt wurde, landete die Band schließlich wieder auf dem Boden, den Britischen. Zu allem Übel verließ
Frontsängerin Kelly Daton die Band, und ließ ihre Kollegen, die gerade in den Vorbereitungen für das zweite Album steckten, niedergeschlagen zurück.
Schnell wurde beschlossen, daß Gitarrist Chris Corner, die Rolle des Leadsängers und Frontmannes übernehmen sollte, und 1999 erschien das zweite Album der Sneakerpimps. „splinter“. Ein kompletter Flopp. Kein Mensch konnte was mit diesem schwermütigen Album, auf dem plötzlich ein Typ anstatt einer Frau sang, etwas anfangen.

Nach einer fast dreijährigen Pause melden sich die Jungs wieder zurück. „bloodsport“ ist eine komplette Wandlung der Sneakerpimps. Es ist ihre „wahre Musik“ – wie sie selbst sagen. Zum Teil besteht das Album aus tanzbaren Elektropopstücken, zum anderen aus Klangbildern. Da hört man plötzlich mitten im Lied Vogelgezwitscher, oder andere Nebengeräusche. Darin liegt aber auch die Stärke der Sneakerpimps. Sie wollen als Djs, Musiker und Produzenten gesehen werden. Sie wollen Metaphern schaffen, die unsere Vorstellungskraft anregen. Die Texte sind teilweise zynisch. Wie zum Beispiel „kiro tv“. Das Lied handelt von dem kanadischen Fernsehsender „kiro Tv“, der 1994 als erster den Tod Kurt Cobains verkündete. Und es handelt davon, wieviel Geld man mit einer Leiche im Musikbusiness machen kann.

Wer also sanftes Gitarrengeplätscher und eine zarte Frauenstimme auf dem Album erwartet, hat sich tierisch geschnitten. Die Sneakerpimps haben sich geändert. Und das ist ihnen selbst völlig klar. Aber das, was sie jetzt machen, ist garantiert nicht schlechter, nur eben anders.

(Text: Amy Zayed, herz 87.9, bielefeld)

Mehr Infos:

LABEL: www.tommyboy.com
HOMEPAGE: www.sneakerpimps.com

Anspieltipps

  • MO: Sick (Track 2) (erste Single, VÖ 25.02.02)
  • DI: Kiro TV (Track 1)
  • MI: Bloodsport (Track 8)
  • DO: Black Sheep (Track 4)
  • FR: M’aidez (Track 6)

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