Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2011

Albumcover

Smith Westerns
Dye It Blonde

Mit der Veröffentlichung von "Dye It Blonde" bewegt sich Fat Possum Records einen weiteren Schritt weg vom Sound der eigenen Anfangstage. Denn mit rohem und trockenem Delta Blues nämlich haben die Smith Westerns nun wirklich nicht viel am Hut. Ihr charmanter Sound erinnert eher an die Crocodiles, die ihre Musik ja ebenfalls über Fat Possum an den Mann bringen.

Wenn man die Smith Westerns bei einem ersten Hören sehr kritisch unter die Lupe nimmt, könnte man man zunächst den Eindruck gewinnen, die zehn Songs auf "Dye It Blonde" wären so ziemlich das belangloseste Album, was das Label bis jetzt veröffentlicht hat. Das liegt vor allem daran, dass die Musik problemlos nebenher laufen kann, ohne dem Zuhörer dabei nur das kleinste Quentchen Aufmerksamkeit abzuverlangen – alternative Fahrstuhlmusik sozusagen.
 
Lässt man sich andererseits bei einem zweiten und dritten Hören auf die Stücke ein, wird man schnell feststellen, dass "Dye It Blonde" wesentlich differenzierter ausgefallen ist als der selbstbetitelte Vorgänger. Das Stück "Fallen In Love" ist ein gutes Beispiel dafür, dass die drei Musiker aus Chicago, bei aller Eingängkeit trotzdem ihr Faible für spitzfindiges Songwriting und verschrobene Ideen ausleben. Steigert man sich gar zu sehr hinen, könnte man sogar behaupten, dass die Smith Westerns nichts anderes machen, als ihre Vorliebe für Glamrock à la T. Rex auszuleben. Der Gesang auf dem Album erinnert schon sehr stark an Marc Bolans sexgeladene Stimme. Schlimm ist das jedoch nicht, immerhin wirkt es nicht aufgesetzt oder gar schlecht gemacht. In Verbindung mit den sorglosen Melodien und einer luftigen Rhythmik entwickeln die Stücke nach mehrfachen Hören ein Suchtpotential, das eigentlich viel besser in den Sommer passen, als in diese kalte und unwirtliche Jahreszeit, die durch die bervorstehende Heizkostenabrechnung höschtwahrscheinlich weiter getrübt wird.
 
Natürlich wird es Menschen geben, die die Aufgedrehtheit des Debüts vermissen werden, und vielleicht wird auch nicht jeder den Schritt vom Garagenrock der Sechziger hin zum etwas hedonistischeren Rock der Siebziger nachvollziehen können. Besonders die Produktion von "Dye It Blonde" lässt den einst sympathischen, aber auch durch die extensive Verwendung anderer Musikerkollegen immer ausgelutschter wirkenden Lo-Fi-Sound der Band hinter sich. Wer das aufgrund seiner leichten Angepasstheit für "sich anbiedern" hält, hat allerdings etwas missverstanden. Die Smith Westerns geben ihren Songs einfach den passenden Anstrich und sind selbstbewusst genug, sich nicht hinter einer Fassade aus gekünsteltem Krach zu verstecken. Damit wird das Album in der Indie-Evolutionskette zum fehlendem Glied zwischen den Wavves und The Soft Pack.

Stücke wie "Smile", "Dance Away" oder "Dye The World" versprühen gute Laune und übertreten dabei das ein oder andere Mal gekonnt die Grenze zum Kitsch, jedoch nie ohne ihren Charme zu verlieren. Die Gratwanderung zwischen einer zuckersüßen und verträumten Grundstimmung und zwingender Energie ist über die volle Albumlänge gelungen. Ein besseres Argument für den Indiepop der Smith Westerns wird man wohl kaum finden. Wer mehr verlangt, wird wohl auf das dritte Album der Band warten müssen. (Lars Koch, hochschulradio düsseldorf)
 
VÖ: bereits erschienen
 
Links: Albumstream + Label | Band
 

 

Anspieltipps

Fallen In Love, #5
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End Of The Night, #6
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Dance Away, #9
Link:

Imagine Pt. 3, #3
Link:

Weekend, #1
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