Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2008

Albumcover

Slut
StillNo1

Eine neugewonnene Selbstsicherheit drückt der Albumtitel aus: Still Number One. Nach einer kleinen Pause vom Leben als "Rockstars" sind Slut nun zurück auf den Bühnen, die dieses Mal sogar internationaler denn je ausfallen. In der Zeit, in der sie keine Rockstars waren, haben sie die "Dreigrroschenoper" von Bertold Brecht für das Ingolstädter Theater vertont. Das haben sie aber eigentlich auch ganz schön rockig hinbekommen und sich den Appetit auf Instrumente und reichhaltige Kompositionen bewahrt.

So sorgen auf „StillNo1“ neben dem bekannten Bandsound Akkordeon, Streicher, singende Sägen, Klavier und Bläser für Abwechslung und die passende Staffage, ohne dabei dem Pompösen mehr Raum als nötig einzuräumen. Sie machen wieder ihre eigene Musik. Es beginnt mit einem wunderbar melancholisch, verträumten Intro. Intro scheint sowieso das Wort der Platte zu sein. Es finden sich nämlich einige feine von ihnen, zum Beispiel beim knalligen "Better Living", das geht einem auch nicht mehr aus dem Ohr oder bei "Failed On You" oder oder oder.

"Failed On You" könnte auch der Titelsong eines Märchenfilms sein oder die Vertonung einer Fabel. Im Vertonen sind die Jungs ja schon geübt. Vielleicht ist dies aber auch noch einer Nachwirkung ihrer ehemaligen Wohnstätte, denn die Herren haben mal auf einem Schloss gewohnt mit Studio und Proberaum. Ein Märchenschloss aus modernen Zeiten. Modern scheint es auch zu sein Altes mit Neuem zu verbinden. Auf "Still No. 1" findet man die alte Melancholie, die sphärischen Ausflüge (huhu Sigur Rós auf Track 9) und die bekannten und Slut-typischen, rockigen Gitarrenriffs, neu ist die Elefantenportion Pop, die mit unter die Songs gemischt wurde. Aber auch wenn das Raubeinige verloren hat, hört sich der Rest weniger peinlich an, als man vielleicht vermuten möchte.

Das Ruhende und Intelligente dominiert – wie auch auf der traumhaften Single „Wednesday“. Der Rest bandelt mit vertrauten Perspektiven an, mit bekannten Harmonien. Die lässigeren und aufgekratzteren Songs wie „Come On“ und „Better Living“ stechen dabei ein wenig aus dem Gesamtsound heraus, der allerdings von Beginn an ein Gefühl der Vertrautheit verbreitet. Denn von einer grundsätzlichen Neuorientierung der Band kann man letztlich nicht sprechen. Man sollte sich es dennoch nicht entgehen lassen, dieses Album am besten gleich drei Mal hintereinander anhören, es wegzulegen und nach wenigen Tagen erneut kreisen lassen. Denn es kein "No. 1"-Zünder...

Und was den Titel und das Selbstvertrauen der Band angeht, bleibt da ja immer noch die zweite Lesart des Titels: Still No One. (Maleen Mohr, Radio Q)

VÖ 25.01.2008

Künstler: http://www.slut-music.de | Label: http://www.virginmusic.de

Anspieltipps

  • If I Had A Heart, Tr. 4
  • Still No. 1, Tr. 3
  • Failed On You, Tr. 9
  • Better Living, Tr. 8
  • Come On, Tr. 2

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