Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 44/2007

Albumcover

Silversun Pickups
Carnavas

CIA, FBI, CEO. Wir ergänzen einen weiteren Eintrag für die auf Buchlänge angewachsene Liste der Abkürzungen: SSPU. Silversun Pickups. Die Vier verantwortlichen Künstler der Band aus L.A. sind zu bedauern. Folgendes Szenario: Man setzt sich zusammen, will Musik machen, überlegt tagelang nach einem passenden Namen für sein Baby und alsbald man fündig geworden ist, gilt es solange wie möglich unbekannt zu bleiben, weil der Zauber des Bandnamens alsbald gebrochen wird als ein findiger Musikredakteur der Meinung ist: Silversun Pickups, das ist mir zu lang. Fortan führen Brian Aubert an der Gitarre und am Gesang, Joe Lester an den Keyboards, Nikki Monninger am Bass und Christopher Guanlao an den Drums ein unpersönliches Leben als Kürzel. Dennoch sorgen diese vier Herrschaften dieser Tage mit ihrem Debut Album „Carnavas“ für Aufsehen.

Fünfzehn Monate hat der transatlantische Release-Express gebraucht, aber nun ist ihr Debütalbum „Carnavas“ auch hierzulande veröffentlicht – inklusive vier der elf Songs, die bereits 2005 auf der EP "Pikul" veräußert wurden. Dabei unter anderem der Indie/Alternative Hit "Lazy Eyes", für den es drüben schon anständig Airplay gab. Ihren ersten Auftritt hatten die Silversun Pickups übrigens nicht irgendwo sondern beim ehrwürdigen CMJ (CMJ Music Marathon & Film Festival, New York City), wie Frontman Brian erzählt: "Wir wollten eigentlich nur zum CMJ, um da umsonst reinzukommen. Das kann ja sonst keiner bezahlen. Wir hätten nie gedacht, dass das klappt." Wer jetzt auf die Idee kommt, die eigene Band ins Gespräch zu bringen, der schickt vielleicht auch einfach mal sein Demo zu Rock am Ring und vielleicht funktioniert es ja mit dem Gig. Das nötige Selbstvertrauen vorrausgesetzt.

Auf ihrem Erstling „Carnavas“ war es der Band wichtig, ihren dröhnenden, immer verwaschenen Live-Sound irgendwie auf Platte zu bannen. Und die sollte natürlich nur in der passenden Lautstärke gehört werden. Laut. Das Album wütet mit einer Art von gemischten Emotionen, die gut zur leicht melancholischen Grundstimmung passen, garniert mit der Stimme Brian Alberts, die zwischen hochtonaler Affektiertheit und empathischer Sehnsucht pendelt. Inmitten von sanft anmutenden Harmonien bricht dort gerne mal ein vibrierender Verbund von barbarischen Sounds, kreisenden, stark gefilterten Gitarren, schwebenden Keyboardwolken und einer schlingernden Tieftonsektion aus. Dazwischen: treibende Beats, die das Ganze passend voranbringen. Das hört sich vielleicht schräg, an klingt aber großartig. "Common Reactor" ist hier ein gutes Beispiel dafür, jedoch hätte man auf die letzten neunzig Sekunden noisiges Feedback der sechs Minuten dauernden Orgie verzichten können. Undefinierbare Sounds jagen einem das Gefühl ein, hilflos mit anzusehen, wie die hauseigene Anlage über den Jordan geht.

Auch Lyrisch überzeugt die Platte mit einer natürlichen Aura, wie sie des öfteren zu wünschen wäre. Als Hörprobe sei hier das zentrale „Lazy Eyes“ empfohlen. Die Gesangsparts sind gut in den Kontext der Songs eingebunden und werden gezielt eingesetzt, um die Stimmung packend zu untermalen. "I’ll be waiting for this moment all my life". Trotzdem wirken die Passagen niemals gezwungen melancholisch. "Little Lover’s So Polite" hingegen passt sich gut in die Riege der anderen zehn Stücke ein. Denn wenn man eines über "Carnavas" sagen kann, dann dass die Platte über ihre kurzweiligen und amtlichen 55 Minuten sehr homogen gehalten ist und man keine großen Überraschungen und Brüche erlebt. Für die Produktion konnten sich die Silversun Pickups Tony Hoffer angeln, der auch schon die Regler für Phoenix, Beck oder Belle & Sebastian geschoben hat. Gut gemacht, Tony.

Zu guter Letzt spielen wir noch das beliebte Spiel „Klingt wie...“. Denn SSPU sind gefangen im Netz von Referenzbands wie den Smashing Pumpkins, Dinosaur Junior und My Bloody Valentine, gepaart mit dem Indiesound der 90er. Das mal "Carnavas" zu einem gelungenes Debütalbum mit nur wenigen unspannenden Flachetappen. Zwischen melodiösen, sehr zugänglichen Momenten und der nötigen Indie-Ästhetik haben sich die Amerikaner eingerichtet. Und mit dem Management der Red Hot Chili Peppers im Nacken, haben wir von der Band bestimmt nicht zum letzten Mal gehört. Headlining Rock Am Ring 2011: SSPU. (Florian Dudda, CT das radio)

VÖ 26.10.2007

Künstler: http://www.silversunpickups.com | Label: http://www.warnermusic.de/silversunpickups/news/

Anspieltipps

  • Little Lover´s So Polite
  • Lazy Eyes
  • Rusted Wheel
  • Dream At Tempo 119
  • Well Thought Out Twinkles

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