Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 25/2013

Albumcover

Sigur Ros
Kveikur

Oft hat man die Musik von Sigur Rós mit Landschaftsbildern zu beschreiben versucht. Will man diesen Ansatz auch beim mittlerweile siebten Album "Kveikur" anwenden, wird man aber nicht unwillkürlich an die schönsten Seiten  der Natur denken. Denn auf "Kveikur" präsentieren sich die Isländer in  einem für ihre Verhältnisse rauen und aggressiven Soundgestus.

Eine Überraschung, denn das Vorgängeralbum "Valtari" liegt erst ein Jahr zurück und erscheint im direkten Kontrast zum aktuellen eher unbeschwert und in diesem Kontext - fast schon - unaufdringlich. Der Hall und die gediegenen Klaviermomente sind geblieben, doch  ihnen drängen sich brachiale Percussion-Wände und satte Noisewolken auf. Man kann das, was das Trio - ­Keyboarder Kyartan Kjarrihier hat die Band verlassen - hier vorlegt, fast schon Industrial-Arrangements nennen. Auch der Opener "Brennistein" knarzt gewaltig, nimmt sich dann jedoch Zeit für behutsame Zwischensequenzen, bevor das Schlagzeug wieder bedrohlich an Tempo zunimmt.  Daraufhin sorgen Bläser aber wieder für majestätische Erhabenheit. Schon jetzt ein weiterer Rockepos in der Band-Diskographie.     

Im Titeltrack hat das Gespann dann aber doch ganz auf Gruftiemodus geschaltet: Gewaltige Drums geben den Takt an, dazu experimentiert man mit morbiden Sirenensoundflächen und - das ist hingegen bekanntlich nicht neu - viel Halleffekt. Doch es geht nicht nur unheimlich zu: Mit "Yfirborð" inszeniert das Trio den gewohnt sphärisch melancholischen Klang, auch wenn eine runtergepitchte Darth-Vader-Stimme am Songende für Verwirrungen sorgt. Es sind jene Momente, die seltsame Bedrohlichkeit und permanente Unbehaglichkeit implizieren (auch wenn Sänger Birgisson immer noch elfenhaft klingt), die in den Songs jedoch nicht vollständig transzendiert werden. Auf "Rafstraumur" prallt dann wiederum gewaltiges Postrocksgewitter auf feinfühligen Streicherhimmel.

Mit "Kveikur" ist es Sigur Rós erneut gelungen, kongeniale Kompositionen zu versammeln. Diesmal nur in bombastischerem Gewand, in Form von Gitarreninfernos und sperrigern Momenten maschischeneller Genese. Alleine deshalb kann fast von einer Neudefinition sprechen, auch wenn das Album mit der seichten Nummer "Var" sanft endet. Harmonie und akute Gefahr halten sich auf "Kveikur" aber in ständiger Balance. Um dann doch wieder mit Wetter- und Naturmetaphern zu sprechen: Nach starkem Gewitter besteht eben auch die Chance auf Regenbogen. (Philipp Kressmann, CT das radio)

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Anspieltipps

Brennisteinn, #1
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Kveikur, #6

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Stormur, #5
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Rafstraumur, #7
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Yfirborð, #4
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