Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 51/2017

Albumcover

Secret Shine
There Is Only Now

Die beiden besten Shoegaze-Alben des Jahres 2017 kommen aus dem Vereinigten Königreich. Slowdive feiern nach 22 Jahren Abwesenheit ihr Comeback mit ihrem selbstbetitelten Album. Die Band Secret Shine veröffentlicht mit There Is Only Now einen ähnlich effektiven Langspieler, auf den hierzulande im Übrigen sehr lange gewartet werden musste. Während There Is Only Now in England bereits seit März auf dem Markt ist, erscheint das Album erst jetzt in Deutschland. „That’s weird“, würden die Briten sagen – und damit zugleich perfekt den Höreindruck von Secret Shine beschreiben.

Der Begriff „weird“ steht für „eigenartig“ oder auch „nicht natürlich“. Er wird gerne dann benutzt, wenn etwas komisch erscheint oder auch nicht zusammenpasst. Der Shoegaze von Secret Shine erfüllt diese Kriterien ziemlich gut. There Is Only Now sind gute 45 Minuten wohliges Rauschen. Ein dumpfes Geräusch, das sonst eher als störend empfunden wird, klingt bei Secret Shine, erzeugt durch mehrstimmige Gitarren und Effektpedale, erfrischend gut.

Shoegaze ist kontrollierter Krach. Langanhaltende Gitarrenriffs über noch länger anhaltenden Gitarrenriffs und alles verzerrt. Den fünf Mitgliedern von Secret Shine gelingt auf ihrem mittlerweile sechsten Album allerdings eine Verwandlung. Durch lebhafte Melodien in Make Me You und auch Snowglobe lenkt die Band vom eigentlichen Gitarren-Donnerwetter ab.

Oft hat der „weirde“ Sound von Secret Shine auch eine entschleunigende Wirkung, wenn etwa im ansteigenden Song All In Your Head ein Instrumental eingeschoben wird, zu dessen Ende Sängerin Kathryn Smith ihre Stimme ins Mikrofon haucht – beruhigend, obwohl sie über Ängste und Sorgen singt. Auf Dirty Game ist das dann ihr Kollege Scott Purnell, der singt, trotzdem bleibt es weiterhin effektgeladen und verrauscht. So richtig guttuend wird es, wenn beide gleichzeitig singen, etwa wenn Smith auf Things I Said ihre männlichen Kollegen durch langgezogene „Ahs“ begleitet.

Natürlich braucht es für dieses Album schon eine leichte Affinität für lärmige Gitarren. Auch wenn Secret Shines Songs lieblich sind, bleiben die Shoegaze-Effekte, und die muss man mögen, sonst bereitet die Musik keinen Spaß. Im Vergleich zu den Genrebrüdern von Slowdive sind die Lieder auf There Is Only Now aber deutlich aufgeräumter und weniger anstrengend. Das können Fans des Genres nun negativ bewerten, in diesem Fall ist es aber ein echter Gewinn.

(Julian Beyer, eldoradio*)

Homepage // Facebook // Label

Anspieltipps

  • Snowglobe #7
  • All In Your Head #2
  • Dirty Game #3
  • Make Me You #10
  • Things I Said #9

Archiv aller Silberlinge

radiobar