Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 33/2007

Albumcover

Seabear
The Ghost That Carried Us Away

Sommerloch? Beim Silberling gibt es kein Sommerloch. Jedenfalls diese Woche ganz sicher nicht. Verträumte Sommermusik aus Reykjavik passt einfach perfekt in die Zeit. Es geht um das Debütalbum der isländischen Indie-Folk-Pop-Band Seabear, welches sich allerdings nicht lautstark präsentiert, sondern ganz still und heimlich, fast schon märchenhaft daher kommt.

Für manch einen, der Entspannung und Flucht aus dem Alltag eher bei härteren Klängen sucht, mag das spontan abschreckend klingen: "Easy-Listening-Zeugs aus Island - muss das wirklich sein?"

Die Antwort ist: "Diesmal Ja!". Die Frage liegt aber in der Tat besonders nahe, wenn man einen Blick auf die Texte wirft. Songs, die thematisch um die Bereiche Natur, Sterblichkeit und Liebe kreisen, laufen ja grundsätzlich Gefahr sehr ins Kitschige abzudriften!
Allerdings, man muss sich schon ein bisschen reinhören in "The Ghost That Carried Us Away". Und auch dann bleibt vieles von der Stimmung abhängig, in der man sich gerade selbst befindet. Ein Album also, das durchaus ambivalent wirkt.

Schauen wir doch erst einmal, wer hinter den Songs und der Band steckt: Sänger und Songschreiber ist der 24-jährige Sindri Már Sigfússon, nach dessen Angaben Seabear als Ein-Mann-Band startete, dann gesellten sich Gudbjörg Hlin Gudmundsdóttir (Geige, Gesang) und Orn (Gitarre, Lapsteel) hinzu. Desweitern wurden aus dem Dunstkreis um Sigur Rós, Múm und Benni Hemm Hemm noch Musiker wie Eiki, Orvar und Dóri ins Studio eingeladen, um die Musik in ein gemeinsames Mikrophon zu spielen - für das Schlagzeug wurden dann doch drei Mikrophone verwendet. Seabear präsentiert uns also waschechtes Lo-Fi-Feeling, was einfach wunderbar stimmig zu den zauberhaften und gerade so nicht zu üppigen Klängen und der hauchigen, fast schüchternen Stimme Sigfússons passt.

Wer also mal wieder so richtig träumen möchte, kann sich bei Seabear einfach fallen lassen. Wem allerdings die an eine Spieluhr erinnernden Glockenspielklänge am Anfang von "Cat Piano" oder die sanften Violinklänge und Pizzicati wie in "Hospitel Bed" einfach zu sehr mit Emotionen überfordern, der sollte dann vielleicht doch lieber zu einer anderen Platte greifen.

Fazit: Sicherlich kein Album für jedermann, aber wer sich auf die charmanten, unaufdringlich umgarnenden Klänge im richtigen Moment einläßt, der könnte schnell gepackt werden und dann sehr lange ergriffen bleiben - von Seabear und Island.

(Florian Hesse, Triquency)

VÖ 17.08.

Künstler: http://www.seabearia.com | Label: http://morrmusic.com

Anspieltipps

  • Cat Piano, Track 02
  • I Sing I Swim, Track 06
  • Libraries, Track 03
  • Arms, Track 08
  • Hospital Bed, Track 04

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