Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 07/2008

Albumcover

Sascha Funke
Mango

Mit Hektik, Adrenalin und soviel Beats Per Minute wie möglich hat Sascha Funkes zweites Studioalbum "Mango" so ganz und gar nichts am Hut. Auch wenn das Gros der Stücke durchaus tanzbar ist, so eignen sich die meisten doch eher als Warm-Up für schweißgebadete Nächte im Club – oder eben als sanfter Ausklang, wenn die Beine sich allmählich in Blei verwandeln.

Dass der Berliner ein halbes Jahr in Aix-en-Provence verbracht hat, erkennt man nicht nur an Titelnamen wie "Chemin Des Figons" und an der Tatsache, dass er uns von dort aus schon mit Appetitanreger in Form von 12"-Veröffentlichungen wie "Auf Aix" angefüttert hat, sondern man meint es auch irgendwie an der Musik selbst zu spüren. Was Funke hier an sphärischen Harmonien, zarten Klängen und trockenen Bassbeats miteinander verwebt, lädt zum Träumen ein. Die Verschmelzung von minimalen, kühlen Technoklängen mit Popelementen und warmen Sounds lässt einen erahnen, was der Künstler mit dem Satz "Techno ist das, was man daraus macht" meint. Geboren und aufgewachsen in Ostberlin, ist auch die musikalische Sozialisation von Sascha Funke geprägt von der Hauptstadt, wo er erst rezipierte und dann nach und nach anfing selbst Parties zu organisieren und schließlich als DJ seine Erfahrungen zu machen. Als Kind von elektrisierenden Emotionen ist es auch kein Wunder, wenn er sich nebenbei nicht der Hertha, sondern dem Kölner FC hingibt. Und in der Domstadt erscheint auch 1999 sein erstes Release, nämlich bei Kompakt. Seit 2000 veröffentlicht er bei BPitch Control und engagiert sich auch aktiv in Sachen Fußball: in der Mannschaft seines Labels.

Wer Mango auflegt, kann sich schnell von den distanzierten und gefühlvollen Sounds einfangen lassen, die Raum und Zeit vergessen lassen. Und doch wirkt das ganze nicht einschläfernd, sondern bleibt im Gegenteil frisch und belebend. Während die Musik gesamt gesehen eher zum Verweilen auf dem Loungechair einlädt, können doch treibenden Tracks wie "Double Checked" oder das shuffelnde "Lotre" mit ihrem gleich zu Beginn drückenden Bassrhythmen zu einem Tänzchen auffordern. Bei dem erstgenannten werden die Klänge und Beats durch die tiefer gebpitchten Vocals von Fritz Zander - bitte nicht mit Frank Zander verwechseln! ;-) – unterstützt, beim zweitgenannten hat Sascha Funke seine eigene Stimme durch die Düsterfilter gejagt.

Scheinbare Gegensätze fügen sich auf "Mango" zu einem wunderbaren Ganzen zusammen, was sich schon im Titeltrack widerspiegelt: „Mango“ beginnt mit einem kristallklaren und nach einem industriellen Hammerschlag anmutendem Beat, der nach und nach von wärmeren Sounds umspült wird und so eine ausdifferenzierte Klangvielfalt in Fluss setzt. Ein anderes, besonders hervorstechendes Beispiel für klangliche Gegensätze bietet "Summer Rain". Hier entführen einen Naturklangsamples von zirpenden Grillen, summenden Insekten etc. in eine warme und trockene Sommerlandschaft, plötzlich wird dies durch Einschläge von kühleren Beats durchbrochen, die dann wieder von weicheren Gitarrensounds und Klangteppichen aufgefangen werden, was schließlich nach einigen Donnerschlägen von erfrischendem Regen und Vogelgezwitscher beendet wird.

Nach den Großtaten von Efdemin und Pantha Du Prince im letzten Jahr, wird 2008 nun Sascha Funke auf dem weiten Feld der minimalen Beatmusik die Nase vorn haben. Nicht so ätherisch und flächig wie die regennassen Veröffentlichungen des Dial-Labels, sondern punktierter und ungleich variabler. Verheddert in redundanten Schlaufen und dem Mantra des 4/4-Taktes ausgestattet entstehen neun Titel unterschiedlicher Prägung, die das Prädikat des Zeitgemäßen am Revers heften haben. (Florian Hesse, Triquency)

VÖ: 08.02.2008

Künstler: http://www.myspace.com/saschafunke | Label: http://www.bpitchcontrol.de

Anspieltipps

  • Double Checked, Track 06
  • Mango, Track 01
  • Feather, Track 03
  • Summer Rain, Track 05
  • Lotre (Mehr Fleisch), 07

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