Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 02/2003

Albumcover

Sam Ragga Band
Loktown Hi-Life

Die Welt steht still - aber das deutsche Reggae-Ding dreht sich weiter und kommt ein entscheindendes Stück voran. "Die Welt steht still" war als erste Single der Vorbote zu "Loktown Hi-Life", dem ersten richtigen Album der Sam Ragga Band, das ab dem 13.01.03 in den Läden steht. Und wirklich: das Album der Hamburger (Hamburg-Lokstedt) könnte schon bald als Meilenstein des deutschen Reggaes gehandelt werden.

Illustre Gäste vor allem von der Eimsbush-Familie haben an Loktown Hi-Life mitgewirkt: Seanie T., Flown Immo, Onejiru, Jessica MyIntyre, Samy Deluxe und Jan Delay. Trotzdem ist das Album alles andere als ein Feature Album. Die Basics stammen von der Band: Marc Wilkes (Gitarre), Alexander Busse (Bass), Oliver Kusterer (Keyboards), Hartmut Karez (Drums) und Detlev von Bötticher (Percussion). Dass erst jetzt der erste Longplayer vorliegt, ist schon erstaunlich. Denn die Sam Ragga Band formierte sich bereits 1996. Damals als Experiment und Nebenprojekt von Gründungsmitglied Jan Delay. Das geschah während einer Tour der Absoluten Beginner. 2001 erschien dann das erste Album unter dem Titel Jan Delay: Searching For The Jan Soul Rebels. Jan Delay ist auch heute noch dabei, wenn seine Zeit und seine vielfältigen Projekte es erlauben. Seine Stimme, die übrigens meiner Ansicht nach viel besser zu Reggae-Sounds als zum HipHop passt, ist beim neuen Album aber nicht nur auf "Die Welt steht still" zu hören. Klar, dass Loktown Hi-Life auf dem Eimsbush-Label veröffentlicht wird. Fast alle featured Artists gehören zur Eimsbush-Familie, die nach wie vor als bedeutende Einrichtung des norddeutschen HipHop-Lebens gilt.

Kleiner Exkurs: Eigentlich konnte ich früher nie was mit Reggae anfangen. Woran lag´s? Vermutlich daran, dass die Wurzeln dieses Sounds so weit weg waren - in Jamaica. Aber das hat sich inzwischen geändert. Auch in Deutschland hat sich eine beachtliche Reggae-Szene entwickelt. Ob Ska, Punk, HipHop oder Breakbeat - die Einflüsse, die deutsche Reggae-Kappellen mitbringen, sind vielfältig. Es ist eben gerade nicht eine Übernahme von fremden Traditionen, die hier bei uns nicht glaubwürdig klingt, sondern ein hier gewachsener eigener und weiterentwickelter deutscher Reggae-Style. Natürlich braucht der deutsche Reggae-Sound nicht immer deutsche Texte. Bereits in den 70er und 80er Jahren gab es deutsche Künstler, die mit Reggae-Sounds experimentierten, zum Beispiel die Nina Hagen Band. Insofern kann man hier durchaus von "Wurzeln" des deutschen Reggae-Styles sprechen. Und das kommt auch beim Publikum an, deutlich abzulesen an den Verkauszahlen der Platten.

Zurück zu Loktown Hi-Life: Der deutsche Reggae-Style geht spielerisch mit der Musik um. Nicht nur Ragga, Reggae und Dub spielen die Hamburger mit Leichtigkeit. Sie schweifen auch schon mal ab in andere Richtungen: Anklänge von TripHop und Jazz wie bei "New Morning" kommen ebenso vor wie Jam-Elemente aus Funk und Rock (gehört bei "HH Centric"). Das komplette Album ist live eingespielt und von der Sam Ragga Band selbst produziert. Deutlich zu hören ist, wie gut die Musiker aufeinander eingespielt sind. Alles klingt groovy und frisch. Ein Grund dafür ist sicherlich der Mut zu Neuem: So hat zum Beispiel Samy DeLuxe auf "Ich will doch nur mein Lied singen" keine einzige Zeile gerappt, sondern durchgehend gesungen - etwas, das man bisher von ihm noch nicht kannte. Man darf gespannt sein, was die Sam Ragga Band live zu bieten hat. Im Januar tourt die Band durch Deutschland.

An Loktown Hi-Life werden auch Musikfreaks Gefallen finden, die mit Reggae bislang nichts anfanfgen konnten.

(Text: Christian Schön, elDOradio 93.0)

HOMEPAGE: www.eimsbush.de / LABEL: www.wea.de

Anspieltipps

  • Die Welt steht still (Track 2)
  • Big Curve (Track 1)
  • Shalom (Track 5)
  • Ich will doch bloß mein Lied singen (Track 4)
  • Hey 3 (Track 9)

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