Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 48/2013

Cover: Rob Lynch

Rob Lynch
All These Nights In Bars Will Somehow Save My Soul

"Tonight we forget our problems, but in the morning we can work them out", skandiert Rob Lynch im Intro seines Debüts "All These Nights In Bars Will Somehow Save My Soul". Doch keine Sorge, hier muss man keinem abgehalfterten Langzeittrinker zuhören, seine Probleme zu verdünnen - denn Rob Lynch verpackt seine Anliegen in ehrliche, augenzwinkernde und gleichzeitig auch nachdenkliche Songs und macht deshalb einfach Spaß. Und wessen Stimme sich noch so unverbraucht anhört, darf sich sicherlich noch die eine oder andere Runde an der Theke genehmigen. Denn das, so wusste schon Frank Turner, ist manchmal das einzige, was zu tun übrig bleibt.  

Nicht nur was seine Einstellung zur Abendgestaltung in Kneipen angeht, hört es sich an, als wäre Rob Lynch bei "Wessex Boy" Frank Turner in die Lehre gegangen: Lynchs "My Friends And I" hätte sicher auch auf einer der früheren Turner-Platten Platz gehabt. Man könnte noch weitere Parallelen herstellen, aber das würde dem Newcomer aus Stamford, Lincolnshire (der Heimat ist natürlich auch ein Song gewidmet) nicht gerecht.  

Denn Lynch ruht sich nicht auf der Gute-Laune-Schiene aus, die man mit den leicht punkigen Mitgröl-Hymnen nur zu gut bedienen kann (siehe auch die Debütsingle "Broken Bones", sicherlich das Highlight der Platte), sondern zeigt sich auch von einer privaten, verletzlichen Seite. Gerade der Tod seines Vaters ist ein zentrales Thema der Platte ("Blame", "Some Nights"). 

Ansonsten liefert Lynch ein grundsolides Erstlingswerk ab, dass musikalisch zwar teilweise ein wenig holprig klingt und nicht durch besonders ausgefallene Instrumentierung besticht, aber es auch nicht muss. Denn die Gitarre, die höchstens durch Glockenspiele, Klavier, Bläser ("Hand Grenade") und ein bisschen Rhythmus sekundiert wird, reicht vollkommen aus.  

Rob Lynch klingt dabei so sympathisch, dass man gerne dabei wäre, wenn er seinen Seelenfrieden in irgendeinem Londoner Pub inmitten seiner Freunde sucht und wahrscheinlich auch findet. Rumgrölen und trinken mit der passenden Untermalung sollte an einem solchen Abend bei der kompakten Laufzeit der Platte von etwa 40 Minuten sogar mehrfach drin sein - bis zur Sperrstunde versteht sich. (Paul Crone, eldoradio*)

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Anspieltipps

My Friends And I, #3
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Hand Grenade, #8
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Broken Bones, #2
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Widow, #12
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Blame, #11
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