Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 30/2002

Albumcover

Readymade
The Feeling Modified

Man kann den Wiesbadenern vorwerfen, sie würden nach Slut, nach Weezer oder Ash klingen. Man kann ihnen vorwerfen, ihre Produktionen sind noch mal aufgewertet worden, um damit den endgültigen Durchbruch zu schaffen..

Wenn man sich aber mit der neuen Platte eingehender beschäftigt fällt auf, das die Songs noch ausgetüftelter strukturiert wurden. Pop wird hier ganz groß geschrieben. Streicherarangments, Klavierparts und zarte Akustikgitarre sind vielerorts zu hören. Aber immer wieder genau an den richtigen Stellen eingesetzt ohne aufgesetzt zu wirken.
Ein Song wie „You and me“ (Track4) ist so zuckersüß, dass er gerade noch am Kitsch vorbeischrammt und sich sofort in den Gehörgängen festsetzt. „Ausufernd reiche Songs, die sich Zeit lassen“, so schreibt es Thees Uhlmann in der Biografie.
Ein Statement wie ein Fels, dem eigentlich kaum noch was hinzuzufügen ist.

Die Band hat aber keineswegs die rockigeren, und teilweise sehr schrammeligen, Gitarren beiseite gelegt. Nur wird der Einfluß einfach besser dosiert, als es noch auf ihren beiden Vorgängeralben „It doesn’t make sense“(1998) und „Snapshot Poetry“ (2000) der Fall war. Pophymnen gab es auf beiden Alben mit „All These Things“ und „Supernatural“ zwar auch, aber musikalisch musste man einige Abstriche machen. Die Alben wirkten in sich nicht geschlossen.

Erfreulich das der nächsten deutschen Band, Zachary Johnson (Gesang, Gitarre), Steffen Hardt (Gitarre), Chris Adelhütte (Bass) und Udo Masshoff (Schlagzeug), mit der neuen Platte „The Feeling Modified“ ein Qualitätssprung geglückt ist. Ob einfach das lange Touren u.a. mit den Sportfreunden Stiller dazu beigetragen hat, dass die Jungs einfach schönere Songs schreiben, oder ob ihr längst überfälliger Labelwechsel der Band einen Schub gegeben hat, ist auch egal. Schön das es so ist.

Seit zehn Jahren gibt es nun Readymade. Das Album ist einfach so luftig und leicht, dass ich dafür plädiere „jeder sollte es haben“
Mit so einer Platte kommt man durch den Sommer- der Kopf deiner Freundin/deines Freundes auf deiner Brust und mit einer Gänseblume in der Hand strahlst du der Sonne entgegen- , durch den Herbst – stellt euch einen strahlend schönen, roten Laubwald mit einer Lichtung vor - und noch viel weiter - da ist soviel gutes drin, das reicht für länger.
Vorwürfe hin oder her, nehmt euch Zeit und lernt das Album lieben
Geht zu den Konzerten.
Habt euch lieb.

(Text: Guido Bülow, Hochschulradio Düsseldorf 97.1)

HOMEPAGE: www.readymade.de / LABEL: www.motor.de

Anspieltipps

  • MO: It doesn’t make sense (Track 9)
  • DI: You And Me (Track 4)
  • MI: Day 2 (Track 2)
  • DO: The Tease (Track 6)
  • FR: The Graduate (Track 5)

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