Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 01/2007

Albumcover

Raz Ohara & The Odd Orchestra
Raz Ohara & The Odd Orchestra

Einkaufsstress - erst Geschenke kaufen und sich mit den nötigen Lebensmitteln für die Weihnachtsfeiertage eindecken, dann Geschenke auspacken, meist zu viel essen und trinken, dann Geschenke wieder umtauschen und für Silvester den nötigen Vorrat an Essen, Prickelbrause, Böller und Raketen besorgen. Die letzten Wochen und Tage im Jahr sind dann meist doch nicht so entspannend, wie man es sich wünscht.

Deshalb ist es nur legitim, dass der erste Silberling 2008 etwas entspannter und winterlich ruhig daherkommt. Raz Ohara & The Odd Orchestra mit "Raz Ohara & The Odd Orchestra". Das Album so zu nennen wie sich selbst, ist weder neu noch spektakulär, aber vielleicht will Raz Ohara auch gar nicht so viel Aufmerksamkeit erregen wie andere. Und wer hinter The Odd Orchestra ein echtes Orchester oder zumindest eine kleine Combo erwartet, wird hier getäuscht: Freund und Kollege Oliver Doerell (veröffentlicht auch unter dem Pseudonym Dictaphone) erschafft die Klänge, in die Raz Oharas Stimme eingebettet ist.

Aber wer ist dieser Raz Ohara eigentlich? Den damals 18jährigen Patrick Rasmussen zog es 1994 von Dänemark in die Trendstadt Berlin, wo er schließlich 1999 sein Debütalbum "Realtime Voyer" und 2001 sein zweites Album "The Last Legend" bei Kitty-Yo auf den Markt schmiss. Im Debütalbum mischte er Elemente aus Elektronik, Trip- und Hip Hop, Funk, R&B und Pop. Das zweite Album wurde dominiert von einem ruhigen Akustikgitarrensound. Und heute, sechs Jahre später, hat Raz Ohara nicht nur das Label gewechselt, sondern sich auch auf seinen musikalischen Wegen weiterbewegt. Für seine neue Heimat Get Physical ist diese Veröffentlichung ebenso eine Erweiterung im musikalischen Repertoire. Statt beatlastiger Tanzmusik gibt es mit diesem Album erstmals ein zeitloses Songwriteralbum mit nur so etwas von einer Ahnung vom elektronischen Hintergrund.

Früher wurde die Stimme des Dänen mit der von Prince verglichen, wovon man auf dem aktuellen Album wohl kaum noch etwas finden kann. Hier entwickelt Raz seinen ganz eigenen zarten, zerbrechlich wirkenden Stil, den Oliver Doerell klanglich passend zu untermalen weiß. Akustikgitarre, klare Klaviertöne, Streicherteppiche und elektronische Elemente verschmelzen zu einer zauberhaften Stimmung, die viele als melancholisch bezeichnen würden. Natürlich ist diese Musik extrem weit entfernt von zwanghafter Gute-Laune-Musik a la DJ Ötzi & Co., aber melancholisch trifft es wohl nicht. Dafür ist Melancholie einfach zu negativ besetzt. Gefühlsbetont und fragil sind Raz Ohara & The Odd Orchestra auf jeden Fall, man spürt dass sie von Freude bis Leid alles kennen, aber sie sind weit weg von einer Depression. Insgesamt wirkt das Album eher hell und positiv, was besonders gut bei "One" zu spüren ist. Auch „Kisses“ ergießt sich in romantische Stimmungen, die mit feinen und dezenten Beats untermalt sind. Raz & Orchestra liefern quasi eine warme musikalische Lampe, die einem in die dunkle Jahreszeit erhellt und vor allzu starker Melancholie und Depression bewahrt. Zeit für Partykracher, Beats und Rumtata bleibt schließlich noch genug - das Jahr hat ja gerade erst angefangen... (Florian Hesse, Triquency)

VÖ: 18.01.2008

Künstler: http://www.myspace.com/razoharaandtheoddorchestra | Label: http://www.physical-music.com

Anspieltipps

  • Kisses, Track 02
  • Set On You, Track 11
  • The Case, Track 06
  • Happy Song, Track 01
  • One, Track 03

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