Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 43/2003

Albumcover

The Rapture
Echoes

NYC - New York City! Die momentane Hauptstadt des sogenannten "Retro-Rock´n´Roll". Man denke nur an die derzeitigen Überhelden The Strokes, aber auch an Bands wie Interpol oder Radio 4. Oder an The Rapture! Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Retro-Bands machen The Rapture ihr ganz eigenes Ding. Und das zu beschreiben, kann einen Musik-Journalisten ganz schön in Bedrängnis bringen. Wie soll man eine Band beschreiben, die einen beim ersten Durchhören der Platte nur mit einem grossen Fragezeichen im Gesicht zurücklässt. Die Stimme wirkt in gewisser Hinsicht ein wenig nervig, wie überhaupt die ganze Musik ein wenig hektisch und ziellos wirkt. Also nochmal die Play-Taste betätigen und das ganze abermals von vorne laufen lassen. Und schon ändert sich der Höreindruck. Das Bein fängt unbewusst und unkontrolliert an, im Rhythmus zu zucken. Das ganze groovt doch mächtig. Und der Gesang wirkt auch nicht mehr so nervig, eher so wie alte Helden. Robert Smith von The Cure drängt sich unweigerlich als Referenz auf, bei einigen Liedern klingt der Sänger sogar wie John Lydon von PIL (ja, genau der, der früher mal als Johnny Rotten Vor-Schreier der Sex Pistols war). Vielleicht braucht man etwas Zeit, bis sich das "Debut"-Album der vier Rapture-Jungs schliesslich im Kopf (und im Herzen) festgesetzt hat. Aber sein wir mal ehrlich, wirklich gute Platten sind doch immer welche, die sich erst langsam beim Hören entfalten.

The Rapture sind Luke Jenner (Gesang, Gitarre), Mattie Safer (Gesang, Bass), Vito Roccoforte (Drums) und Gabriel Andruzzi (Saxophon). Ausserdem betätigen sich alle Bandmitglieder noch als Keyboard-Spieler oder sind für die Percussion zuständig. Die Geschichte der Band begann in San Diego, führte dann über San Francisco und Seattle in die Metropole NYC. Hier haben sie schliesslich die beiden Produzenten und DJs James Murphy und Tim Goldsworthy kennen, die auch als DFA bekannt sind. DFA produzierte seitdem auch sämtliche musikalischen Outputs der Band. Nach einigen Single-Veröffentlichungen (so unter anderem auf Sup-Pop) begann die Band dann mit den Aufnahmen für das Debut-Album "Echoes".

Und das kann man eigentlich nur versuchen zu beschreiben, indem man tief im verhassten Stil-Schubladen-Denken kramt. Die Einflüsse von The Rapture sind so unterschiedliche Bands wie Duran Duran, PIL, Killing Joke, Iggy Pop, Bowie. Das klingt sehr nach Achtizer Jahre Rock, was gar nicht so falsch ist. Nur dass The Rapture das ganze mit einem kräftigen Schuss Acid-House oder altem Chigaco-House durchmischen. Die Beats flirren, der Bass dröhnt, und heraus kommt der perfekte Mix, auf den sich Indie-Nerds und Dance-Club-Gänger ohne Probleme einigen können. Das einzige, was letztendlich zählt: Es muss tanzbar sein! Und das gelingt The Rapture mit "Echoes" hervorragend. Bleibt zum Schluss nur noch, das SZ-Magazin "Jetzt!" zu zitieren: Was solltest du deinen Freunden über The Rapture sagen: "Die Platte ist mindestens genauso cool wie deine Truckermütze!" (Wenn nicht sogar cooler!). Demnächst im Club deines Vertrauens, egal ob Rock-Schuppen oder House-Keller.

(Joachim Link, Radio Q - Münster)

KÜNSTLER: www.therapturemusic.com

LABEL: www.motor.de / www.dfarecords.com

Anspieltipps

  • House Of Jealous Lovers, Track 6
  • Killing, Track 8
  • Echoes, Track 7
  • Sister Saviour, Track 9
  • Olio, Track 1

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