Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 34/2010

Albumcover

Rakaa
Crown Of Thorns

So ist das mit dem Gruppenzwang. Letztlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Rakaa sein Soloalbum veröffentlichen würde, nachdem bereits Evidence und DJ Babu von den kalifornischen HipHoppern Dilated Peoples abseits der Truppe debütierten. Dass davon niemand so recht Notiz nahm, verwundert kaum. Vor allem im Underground hat sich diese Kombo einen Namen gemacht, auch die Einzelgänge schafften es kaum weitergehende Aufmerksam zu generieren. Einzig der Song "This Way", eine Zusammenarbeit mit Kanye West, konnte eine größere Hörerschaft aufweisen. Der Rest war Vergessen.

Ähnlich könnte es Rakaa Iriscience gehen, der mit seinem ersten Soloalbum „Crown of Thorns“ aber ein erstaunliches Niveau hält. Wenn ein Rapper rund zwanzig Jahren an seinem Flow arbeitet, hört man, dass jede Silbe wie ein Maßanzug sitzt. Spürbar lebt hier jemand HipHop in all seinen verschiedenen Facetten. Die Beats sind vielseitig, die Themen reichen von Selbstkonstruktion über Beziehungen bis zu Wertedebatten. Und er liebt die Menschen und die Zusammenarbeit, die gemeinsamen Visionen. Auf ganzen acht (von dreizehn) Songs begrüßt Rakaa Gastrapper (u.a. der aufstrebende Aloe Blacc) und auch die Produzentenliste ist beeindruckend. Ob The Alchemist, El-P, Illmind, Exile oder Sid Roams - jeder hat ihm ein passendes Beatkonstrukt auf den Leib geschnitzt. „Breathe“ basiert auf einem kruden Flötensample und geisterhaften Chören, die Single „Delilah“ auf einer eingängigen Klavierschleife.

Einer der bestechendsten klassischsten Rap-Songs ist definitiv „Ambassador Slang“. Gleich elf Texter reichen das Mikro rum und bilden das weltumspannende Netz, aus dem Rakaa seine Inspiration zieht: Ein Producer aus Japan und MCs aus Korea, Neuseeland, Hawaii und den Philippinen. HipHop als Weltsprache,Rakaa verarbeitet hier seine gesamten Erfahrungen der letzten Jahre, in denen er auf Touren viele Kulturen kennenlernen durfte. Ein globales Rap-Fest also!

So unterschiedlich die Einflüsse, so vielschichtig die Musikstile, so dass man sich spätestens bei Track sechs fragen kann, ob Rakaa überhaupt schon einen eigenen Solo-Stil gefunden hat. Bis dahin gibt es Souliges, Agressives, Zurückgelehntes, Klassisches, Wirres, Schnelles und Langsames. Alles hat seinen eigenen Charakter, auch wenn die richtig aktuellen Klänge und progressiven Anteile gering ausfallen. Viele Songs schauen tief in den nostalgischen Rückspiegel. Es macht Spaß, von Song zu Song aufs Neue mitzuerleben wie Oldschool-Hip Hop mit all seinen Klischees genommen wird und ordentlich mit den Möglichkeiten dieser Zeit aufgemöbelt wird. So zeigt sich der Song "Assault & Battery" mit einer scheppernden High-Hat, einer ohrenbetäubende Elektrobassline und ungeschliffenen Scratches . Ganz nebenbei zieht Rakaa völlig unberührt mit Raps seine Bahnen. „Connect the Dots“ reanimiert Hip Hop-Gewöhnlichkeiten mit erfrischend tanzbaren Funk-Samples. Und „Mezcal“ entführt den Hörer in Latino-Gefilde und bestätigt nur die musikalische Weitläufigkeit des Albums: Ein cooler Latinostyle erinnert uns daran, dass es eben in Los Angeles auch viele Mexikaner gibt, deren Einflüsse sich hier nicht verbergen lassen.

Multikulti-Gewohnheiten zählen ebenso zum Themenrepertoire wie Religion als überspannendes Moralkonstrukt: „being political but as well just be aware-awake“ , heißt es in „Observatory“. Und auch im Song „Breathe“ gibt es eine Sensation zu bestaunen: Oldie KRS-One wird von Rakaa zu einem schlichtweg guten Auftritt motiviert und das ganz ohne Hater-Attitüde. Da sind wohl einige Rapper erwachsen geworden! Mit dem Wissen um 25 Jahre HipHop ist Rakaa ein souveränes Album gelungen, die ebenso nachhaltig und zeitlos ist. Schlichtheit ist hier fehl am Platz - eine knappe Stunde lang kann man bei diesem Album ing uter Rapmusik versinken. (Katharina Lange, Radio Q)

Links: Myspace | Decon

Anspieltipps

Connect The Dots, 5
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Crown of Thorns, 1
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Delilah, 3
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Breathe, 4
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Mezcal, 9
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