Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 44/2005

Albumcover

Puppetmastaz
Creature Shock Radio

Das Puppenspiel wird in Deutschland nicht oft als besonders seriös wahrgenommen, ja sogar – abwertend als Kinderkram oder Kasperltheater abgewertet. Dabei war das Puppentheater in der ehemaligen DDR noch eine der sieben Sparten der bildenden Kunst und hatte in fast allen Bezirken eine feste staatliche Spielstätte.

Musikalisch gesehen, spielt das Puppenspiel auch nicht wirklich eine herausragende Rolle in der audiophilen Unterhaltungswelt. Dass diese allerdings in Sphären angekommen ist, in denen Menschen mehr Marionetten, als ihrer eigenen Identität gleichen, wird besonders deutlich, wenn man HipHop als momentane Mainstreamkultur näher betrachtet und der Skeptiker sich immer wieder fragen muss, ob es wirklich reicht, teure Autos, halbnackte Frauen, Waffen und Schmuck zu filmen, um ein Video erfolgreich zu verkaufen. Das schreit förmlich nach Gegenbewegung. Und so scheint es nicht allzu verwunderlich, dass die „Puppetmastaz“ aus Berlin kommen und das ganze Getue und zur Schau gestellte HipHop-Identitätenprogramm aus protzenden Egos, Drogen, Reichtum und sexuelle Vorlieben als Puppen rappen.

Das diese Tage erscheinende Album der Mastaz „Creature Shock Radio“ tanzt auf Nase der ohnehin schon zur Satire verkommenden Generation „50 Cent“. Hier wird die komplette Palette blendender HipHop Icons gnadenlos aus-, und angerapt. Epische Beats, ja logisch, wie TimbaKanye oder sonst wer, immer einen charmanten Tick unter den gewohnten Standards und damit angenehm frisch und irgendwie freier. Dennoch immer wieder ein leichter Elektro-Einschlag, vermutlich die Folge des Hauptstadt Einflusses auf die Wesen hinter den Reglern (siehe unten).

Textlich: „You Oughta Think Pig He Got A Big Stink Pink Rig Bling Big Goldchains You´re Just Another Fuckin´ Swing Kid Rumble With Bumble”. (aus "Bigger the Better") Oder: “You´ll cross bee like Bing did badabing not a thing is gonna stop us when we gotta sing a lotta bling on your chest won´t protect your neck when we test you attempt to sing and you hear not a thing hollering: "The Bigger The Better The Fatter The Cheddar" Noch Fragen? Wer genau hinsieht, sieht und liest zwischen den Zeilen, wer zu sehr im HipHop Trainingsanzug steckt, hört das Gleiche wie bei so vielen und findet erstaunlicherweise gar nichts an den Marotten. Genau hier findet dann die Kritik der Puppenband am Musikbusiness, allem voran des „HipHop Biz“ statt. Künstliche Egos hat es immer gegeben: Kiss, Ziggy Stardust bis Gorillaz und viele mehr. Aber die vermeidlich echten und auf den ersten Blick so „realen“ Street-Life Erzähler des Rap wirken neben den Puppen nur noch unechter.

Wer für diese bewusste Inside-Out Band-Konstruktion schließlich die Verantwortung trägt, bleibt ein Geheimnis. Gonzales, Peaches und Mocky sind im Gespräch, bleibt aber letztlich uninteressant. Das erste Album „Creature Funk“ unter EMI verkaufte 8000 Tonträger und die Puppetmastaz waren im Festival Sommer ein international gefragter Act. Wie die Geschichte der Puppetmastaz und den 20 Protagonisten um Mr. Maloke, Panic the Pig, Snuggles und Wizard weitergeht, werden wir sehen und mit Spannung weiterverfolgen. For Real. (Christian Düchtel, hochschulradio düsseldorf)

Label: www.louisville-records.de | Artists: www.puppetmastaz.de

Anspieltipps

  • Bigger The Better #2
  • Midi Mighty Moe #3
  • Do The Swamp #8
  • Puppetmad #9
  • Mastaplan feat. MC Soom T #16

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