Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 14/2018

Albumcover

Preoccupations
New Material

Neues Material von Preoccupations: Auf ihrem dritten Album versucht die Band die düsteren Klanglandschaften vom zweiten, selbstbetitelten Album Preoccupations weiter in den Vordergrund zu stellen. Das gelingt auch dieses Mal gut, wenngleich das Songwriting darunter zu leiden hat.

Wer Preoccupations und ihre bisherigen Veröffentlichungen kennt, kann sich spätestens jetzt sicher sein, dass es sich bei dem Titel New Material nur noch um einen Treppenwitz handeln kann. Die Kanadier machen sich anscheinend nicht viel aus Namen (was auch ganz schön in die Hose gehen kann) und konzentrieren sich eher darauf, ihren Sound von Album zu Album in Frage zu stellen und neu zu justieren. New Material ist da keine Ausnahme und zeigt, dass die Band einige Risiken eingegangen ist.

Schon der Opener Espionage überrascht mit ganz neuen Bauteilen aus dem Werkzeugkasten des Post-Punks: Call & Response-Vocals tauchen hier plötzlich im Refrain auf und geben dem Song, zusammen mit dem Mantra „Falling out / To the level of the people“, einen leicht politischen Anstrich. Doch so catchy wie der Song mit jedem Hören wird, offenbart sich in den ständig wiederholten Textzeilen „Change is everything / Changes everything“ schon eine Schwäche des Albums. Was hier tiefsinnig klingen soll, kommt doch nur ungelenk und plump rüber; an Stellen wie dieser wird am deutlichsten hörbar, wie Preoccupations klingen, wenn sie sich in unbekanntes Terrain wagen.

Stimmungstechnisch ist New Material sowieso wieder in der dunkelsten Kellerecke angesiedelt. Allein die erste Hälfte von Antidote weiß mit ihrem fantastischen Groove die Stimmung ein wenig zu heben, im zweiten Teil zerfällt der Song aber plötzlich wieder komplett in einen düster-utopischen Abgesang auf das Informationszeitalter. Das melancholische Disarray flirtet mit New Wave und mit Solace findet sich ein Song, dessen Dynamik an Zeiten des ersten Albums erinnert. In gewisser Hinsicht ist New Material Preoccupations vielseitigstes Album, zusammengehalten wird hier alles vor allem von der düsteren, dichten Atmosphäre und dem Anspruch, mit instrumentellen Sounds herumzuexperimentieren.

“My perfect goal for a record would be to have something that you know is rock music but you can’t tell what any of the instruments are” erklärt Gitarrist Scott Munro in einem Interview mit Consequence of Sound. Seinem Ziel ist er mit New Material ein wenig näher gekommen, stellt sich doch bei manchen Songs die Frage, ob das hier nun Synthesizer- oder Gitarrenmelodien sind, die aus der Anlage erklingen. Das und die Tatsache, dass Preoccupations es verstehen, dichte Klanglandschaften zu konstruieren, machen auch New Material, trotz aller Schwächen im Songwriting, wieder zu einer spannenden Platte mit Langzeitwirkung. 

(Pierre Rosinsky, CT das radio) 

Anspieltipps

  • Mo: #2 Decompose
  • Di: #3 Disarray
  • Mi: #6 Solace
  • Do: #5 Antidote
  • Fr: #1 Espionage

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