Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 04/2007

Albumcover

Poni Hoax
Poni Hoax

Das sind also "Poni Hoax". Wie heißt es so schön? "It ain´t always what it seems to be," und wenn man seine Rezension gleich mit solch einer Binsenweisheit einleitet, kann man ebenso gut auf diesem Niveau bleiben, nachlegen und behaupten, das Rad wird heute vielleicht nicht mehr neu erfunden, aber wie es scheint, bleibt es am Rollen. "Poni Hoax" zumindest machen Rocken (aufgepasst!) Roll und mischen ihn mit einer Prise Elektropop. Punkt. Und wem spätestens jetzt, aufgrund dieser grandiosen Einleitung schlecht geworden ist, dem kann ich es nicht verübeln den Browser zu schließen. Allen anderen werde ich die Notwendigkeit dieses Einstieges natürlich ausgiebig erläutern und hoffen, dass sie mir verzeihen.

"Poni Hoax" waren mir nämlich überhaupt kein Begriff. Wie bringe ich diese Sache also ins Rollen dachte ich mir und rief erst einmal im Sender an, um folgende Anekdote erzählen zu können. Nach der Frage "Hi! Sag mal, haben wir das neue Poni Hoaxs Album eigentlich schon im Sender?", erhalte ich die grandiose Gegenfrage eines verdutzten Kollegen auf der anderen Leitung, "Wer? Toni Hawks? Macht der jetzt auch schon Musik?" Und spätestens da hätte mir einiges klar sein müssen. Mein Geist ging auf Reise. Poni Hoax? Skatebordassoziationen? Irgendwas geriet hier ins Rollen das merkwürdig war und ich machte mich auf den Weg, um herauszufinden was.

Im Studio angekommen stellte ich fest, dass meine werten Kollegen bereits hilfreich das Album "Poni Hoax" der gleichnamigen Band aus Frankreich schon mal in die Sparte Elektropop eingeordnet hatten, bevor sie es mir ans Herz legten und der erste Schrecken des Telefonats war schon fast wieder verflogen. Eine Leichtigkeit die akustischen Schwingungen einzufangen und in Lettern auf den Monitor zu kritzeln. Es geht gleich los mit "She´s On The Radio" dem ersten Lied des Albums und gleichzeitig der aktuellen Singleauskopplung. Treibendes Schlagzeug, eine sympathische Männerstimme und Synthiesounds schmeicheln dem Ohr, bis kurz vorm Refrain plötzlich alles anders kommt und man im verwirrten Gefühl zurückgelassen wird, so etwas schon mal von der Bloodhound Gang gehört zu haben.

Das scheint Methode zu haben. Anfang des nächsten Liedes genau dasselbe, klingt es doch nach fünfzehn Sekunden fast so wie der Anfang von Kylie Minouges "Can´t Get You Out Of My Head". Und tatsächlich singt nun eine Frau obwohl im Booklet die Band angegeben ist – nur bestehend aus fünf Männern: Laurent Bardainne (keyboards), Nicolas Ker (lead singer), Nicolas Villebrun (guitar), Arnaud Roulin (keyboards) und Vincent Taeger (drums). Nun gut. Ich schaue noch einmal genau hin und stelle fest, der Song heißt "Budapest", ist der Clubknaller der Band und featured eine Sängerin namens Olga Kouklaki. Ich bin für alles offen und der nächste Track ist eine Nummer die mich echt überzeugt. Nick Cave meats Harry Osterwald zum "Kriminal Tango". "Carrie Ann" hat echten Charme. Zwar etwas melancholisch, von der Rhythmik aber eher Tango und eine Gitarre heult im Hintergrund. Nach einer Weile setzt ein Frauenchor ein und sirenenähnliche Stimmen tragen dein schwer gewordenes Herz behutsam bis an das Ende des Liedes. Ein großartiges Gefühl. Auch bei der nächsten Nummer habe ich meinen Spaß, nur wollen die Vergleiche in meinem Kopf kein Ende nehmen. Wieder singt Nicolas Ker eine Ballade, die von Gitarrenriffs in bester Rammsteinmanier (tsss....) begleitet wird. Wieder gerate ich ins Schmunzeln und bin gespannt was mich weiterhin erwartet.

Die Band macht es spannend und einen Hehl aus sich selbst. Selbst im Masseninformationsmedium Internet sind Infos eher rar gestreut sind. Die eigene Homepage unter www.ponihoax.com, verrät das es sich neben der EP "Budapest" (September 2005) und der Single "She´s on the radio"(März 2006) um das Debütalbum der Band Poni Hoax handelt und es über Tigersushi Records im Juni 2006 erschienen ist. Bei Tigersuhi handelt es sich um ein Online Label das von sich selbst schreibt "Tigersushi is an online portal dedicated to quality Music from Jazz to Hip Hop, from Leftfielf Pop to Electronic Music" zu lesen auf www.tigersushi.com, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Indie bzw. besondere Talente herauszubringen und zu fördern. Schlauer bin ich nicht geworden.

Dafür sind die nächsten drei Nummern genau so schwach. Ich bin jetzt bei Track Acht von insgesamt zehn angekommen. Der Song heißt "L.A Murder Motel" und beschreibt sich von selbst. So ungefähr muss fühlt sich der Kopf an wenn man nach einer durchzechten Nacht im Motel aufwacht. Ein bisschen Wahnsinn, Gepiepe und Spannung. Das nächste Lied täuscht zunächst ein bisschen Relaxen an, um dann auch wieder an Fahrt zu gewinnen.

Was für einen Eindruck ich davon getragen habe? Vergleichbar mit Filmen von Wong Kar Wai. Eine fremde Atmosphäre, ein paar Gemütsaggregatzustände, die nicht so recht zueinander passen wollen, um einen am Ende genau so ratlos stehen lassen, wie bereits am Anfang. Allerdings ist man bei jedem durchhören um den ein oder anderen Eindruck reicher, der als Gesamtbild eine durchaus positive Bilanz zulässt. Wenn man sich auf Poni Hoax einlässt. Wenn man sich vom Sofa ROLLT und auf Entdeckungsreise geht. Dark Disco! (Alexander Kochanek, hochschulradio düsseldorf 97.1)

VÖ 12.01.2007

Band: http://www.ponihoax.com | Label: http://www.tigersushi.com

Anspieltipps

  • She´s On The Radio, Track 1
  • Involutive Star, Track 4
  • L.A Murder Motel, Track 8
  • Carrie Ann With The White Dress, Track 3
  • Budapest, Track 2

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