Silberling der Woche

Jede Woche verleihen wir ihn neu: den Silberling der Woche. Unter zig frischen Silberlingen, die jede Woche auf den Markt kommen, auserwählt nach einem bestimmten Regelwerk. Zum Silberling kann ein Album nur in der Woche der Veröffentlichung werden oder eine Woche davor oder danach. Bei der Auswahl achten wir auf die „gesunde“ Mischung. Jeder Style ist möglich. Der „Nachwuchs“ kommt ebenso zum Zuge wie die „Großen“. Im Westen ist der Silberling seit Herbst 2001 tägliches Programmelement bei den CampusRadios NRW und den PartnerRadios.

Silberling der Woche 09/2007

Albumcover

Polarkreis 18
Polarkreis 18

Sie kamen langsam, dann aber gewaltig. Mitte letztens Jahres noch waren Polarkreis 18 nur einer extrem kleiner Menge von Musikinteressierten bekannt. Fünf Jungs Anfang Zwanzig, die ihre Instrumentenkoffer durch die Dresdner Altstadt trugen. Das änderte sich alles schlagartig. Spätestens seit Anfang dieses Jahres sind sie einer der Namen, der bei Diskussionen fällt, wenn es um die Zukunft der Popmusik geht. Und das zu Recht, wie dieser Tage das selbstbetitelte Debütalbum zeigt.

Polarkreis 18 legen mit dem Opener "Dreamdancer" sofort los wie die Feuerwehr. Lang pulsierende und später krachende Beats schmiegen sich wohlwollend an das Ohr des Hörers. Der Gesang, der sich einfühlsam der Geräuschkulisse unterordnet, lädt endgültig zum Träumen ein. "Dreamdancer" greift gleichsam voraus, was für das gesamte Album so typisch ist. Nämlich die Rastlosigkeit, unterbrochen von nur einigen Ruhephasen und der unnachahmliche Gesang. Dieser wird nicht einfach nur dazu benutzt, Botschaften in Textform auszusenden, sondern wird viel eindrucksvoller, wenn er mit den anderen Elementen verschmilzt und als vollwertiges Instrument erscheint.

Auch wenn die übrigen Stücke keinen "Traum" mehr im Titel haben, fühlt man sich dennoch permanent wie in einem solchen gefangen. "Chiropody" zeichnet eine lange Reise in eine weit entfernte Galaxie und das herausragende "Stellaris" will uns den höchsten Gletscher der Welt erklimmen lassen. Das pulsiv verstörende "Looks" beendet fast diese schöne Illusion, doch "After All He Was Sad" zeigt einen sanften Weg zurück in schöne, unbekannte Welten. Am Ende dieser Klangreise bleibt ein überwältigendes Gefühl, das festhält: Es gibt sie noch, die neue und aufregende Musik. Jeder Schuss trifft auf seine Art und Weise ins Schwarze, ohne zu schnell abgefeuert worden zu sein. Es braucht Zeit und gewiss mehr als nur drei Durchläufe, die Magie des Albums zu erfassen. Vollständig ist das wahrscheinlich gar nicht möglich, immer wieder überraschen kleine Fragmente, die sich vorher versteckten und mit der Zeit umso mehr nach Beachtung schreien.

Es ist die einzigartige Atmosphäre, die das Album am meisten von allen anderen Veröffentlichungen der letzten Zeit abgrenzt. Polarkreis 18 erweisen sich als wahre Meister im Erzeugen von Stimmungen. Trost, Hoffnung, Euphorie und Geborgenheit tragen das warme Klangbrett auf einer riesigen zuckersüßen Welle sicher ins Ziel. Außer The Notwist gibt es weit und breit keine andere Band, die dieses Zusammenspiel derart exzellent beherrscht. Alles geschieht mit einer unglaublichen Leichtigkeit, nichts klingt zwanghaft oder konstruiert. Man merkt an jeder einzelnen Stelle, dass die Band eigentlich gar nicht damit gerechnet hat, dass am Ende der Aufnahmearbeiten so ein verzückendes Stück Musik stehen würde. Unbeschwertheit verleiht Flügel. (Felix Lammert-Siepmann, eldoradio*)

VÖ: 16.02.2007

Künstler: http://www.polarkreis18.de | Label: http://www.motormusic.de

Tour: 15.März. Gebäude 9 Köln | 16.März. Riff Bochum |
18.März. Kamp Bielefeld

Anspieltipps

  • Somedays Sundays, Track 4
  • Dreamdancer, Track 2
  • Ursa Major, Track 10
  • Crystal Lake, Track 5
  • Stellaris, Track 7

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